Über das Asperger-Syndrom

Asperger-Syndrom – was ist das eigentlich und was kann das?

Das Asperger-Syndrom gehört zu den sogenannten Autismusspektrumsstörungen. Darunter fallen auch der frühkindliche Autismus (Kanner-Syndrom) und der hochfunktionale Autismus (HFA), den man aber guten Gewissens mit dem Asperger-Syndrom gleichsetzen kann. Benannt ist das ganze nach dem Wiener Kinderarzt Dr. Hans Asperger – worüber ich ehrlich gesagt sehr froh bin, denn es hätte auch Sutscharewa-Syndrom heißen können und das kann und möchte niemand aussprechen.

Das Asperger-Syndrom zeichnet sich durch eine Reihe von, ich nenne es mal Symptomen aus, wobei ich hier nicht den Eindruck einer Krankheit erwecken möchte, denn aus meiner Sicht ist es das nicht.
Zu diesem Symptomen gehören Schwierigkeiten bei der Kommunikation und Konversation (Sarkasmus? Kann man das essen?), gleichzeitig eine als hochgestochen empfundene Sprache, mit einer eher ungewöhnlichen Tonlage (Monoton bis „mechanisch“), und der Neigung zur sprachlichen Pedanterie. Für letzteres prägte das Internet den Begriff „Grammar Nazi“ und ja, ich gehöre dazu. 😉
Ansonsten wäre da noch eine mehr oder minder starke Fixierung auf Routine (Ich stehe jeden Tag auf, gehe ins Bad, sage dem Hund hallo und esse dann – genauso habe ich meine Rituale, wenn ich zu Bett gehe) und ein ungewöhnliches Interesse für eine bestimmte Sache. Das kann alles mögliche sein, von Quantenphysik über Frösche über das deutsche Kaiserreich über Mozart bis zur abstrakten Kunst ist alles dabei. Persönlich habe ich mir das Schreiben ausgesucht, an meinem aktuellen Projekt arbeite ich seit November 2011, mittlerweile hat es weit über 1000 Seiten.
Als letztes sind noch verschiedene Besonderheiten bei der Wahrnehmung zu nennen. Asperger-Autisten haben zumeist einen bemerkenswerten Blick fürs Detail, können dafür etwas aber nicht als Ganzes betrachten. Vereinfacht gesagt fehlt ihnen – also auch mir – eine Art „Filter“ im Gehirn, der es ihnen ermöglicht, aus allen Wahrnehmungen die zu ignorieren, die man gerade nicht braucht. Wenn man jemandem zuhört, muss man auch nicht gleichzeitig die Bauarbeiter vor dem Haus reden hören, also ignoriert das Gehirn das. Ich kann das nicht. Ich habe mir angewöhnt, außer Haus oft Musik zu hören, um die Geräusche einzudämmen, ansonsten bekomme ich auch gern mal mit, wenn mein Sitznachbar über seine Brillenstärke spricht…
Das alles in seiner Gesamtheit kann in vielen Umgebungen zu sogenannten sensorischen Overloads führen. Dann bekomme ich Kopfschmerzen, kann mich kaum mehr konzentrieren, will nach Hause und mir die Decke über den Kopf ziehen. Dafür braucht es nicht viel, ein gut besuchtes Cafe kann ausreichen. Einzige hilfreiche Maßnahme? Kopfhörer und Musik, wie oben angesprochen, und dann so laut, dass es schädlich für mein Gehör ist.

Im Gegensatz zum Kanner-Syndrom ist beim Asperger-Syndrom die Intelligenz – sprich, der IQ – normal bis sogar überdurchschnittlich entwickelt. Ich selbst bin hochbegabt, gehöre also zu den 2% der Weltbevölkerung mit einem IQ von 130 oder höher. Daher fallen viele Asperger-Autisten im Alltag nicht wirklich auf, sie werden als seltsam betrachtet, merkwürdig, sonderbar, aber nicht als krank oder gar behindert.

Aber genug der klinischen Ausführungen. Die Frage ist doch: Was ist das Asperger-Syndrom für mich? Sicherlich keine Krankheit, keine Störung (Ich bin nicht gestört!) und keine Behinderung. Ich sehe die Welt lediglich mit gänzlich anderen Augen, denke und fühle anders, sprich besonders. Natürlich habe ich meine Probleme, natürlich ecke ich an, wo ich nur kann – aber ich könnte mir ein Leben ohne Autismus kaum oder gar nicht vorstellen. Und tauscgen würde ich erst recht nicht. Ich bin der festen Überzeugung, dass mich das nicht glücklich machen würde.
Für weitergehende Informationen von Autoren, die besser erklären können als ich empfehle ich die Wikipedia-Artikel zu den Themen Autismus und Asperger, sowie die Bücher „Ein Leben mit dem Asperger-Syndrom“ von Tony Attwood und „Ein guter Tag ist ein Tag mit Wirsing“ von Nicole Schuster, die selbst Asperger-Autistin ist. Ebenfalls empfehlenswert ist einer ihrer TV-Auftritte in der Sendung Quarks & Co.

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4 Antworten zu Über das Asperger-Syndrom

  1. Andi schreibt:

    Ovetloads müsste wohl Overloads heissen, gell? Viele Grüße von einem Mit-Pedanten.

  2. S. Ricklefs schreibt:

    Sutscharewa Syndrom 🙂 hätte es auch heißen können – ok. – Oh man, Wie Du immer schreibst, Du bringst mich dauernd zum Lacheln.
    Also Humor scheint eine Gabe bei Dir zu sein 🙂
    Alles Gute -lach, immernoch lach

  3. pulinalein schreibt:

    Hallo, habe ich eigentlich auch, dieses Asperger! Stört mich, wenn man sagt, ich hätte eine Störung!

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