Besser wird es nicht

oder: Warum ich kein Einser-Abi haben werde

Ich habe Geschichte als LK. Ich kann Geschichte, ich mag Geschichte und zumindest mein Lehrer und ich verstehen uns super. Mein Kurs und ich nun nicht so. Aber man kann ja auch nicht alles haben.

Ich schreibe in Geschichte konstant Einsen, seit Beginn diesen Schuljahres. Mein Lehrer findet das gut, ich finde das gut, alles ist super. Wenn da nicht das Mündliche wäre…
Ja, ich habe einen Nachteilsausgleich. Das Schriftliche wird statt zu 50 zu 70 Prozent gewertet, das Mündliche entsprechend weniger. Und ich bin froh darum, denn bisher hat es mir nur Vorteile gebracht. Aber trotzdem, mündlich bin ich schlecht. Mein Geschichtslehrer brachte es auf den Punkt. Qualitativ wären meine Beträge locker im Einserbereich.
Quantitativ ist es zu wenig. Und reicht gerade für eine Drei. Ich soll mehr sagen. Ich kann das ja. Wo ist denn das Problem?

Ich rede nicht gerne. Ich kann mich im Unterricht nur melden, wenn ich mir genau zurechtgelegt habe, was ich wie sagen will. Wenn ich das nicht weiß, kann ich keine Antwort geben, unabhängig von Fachwissen. Wenn ich keine Formulierung habe, kann ich nichts sagen.
Und ganz davon abgesehen rede ich nicht gerne.

Eigentlich stünde mir nichts im Wege, in Geschichte Eins zu stehen. Genau wie in Mathe, Chemie, Englisch. Ich kann das ja alles. Ich sage nur zu wenig.
Das wird sich in diesem Leben nicht mehr ändern, das habe ich heute festgestellt. Ich werde in dem Jahr, das ich noch bis zum Abi habe, nicht von jetzt auf gleich mündliche Mitarbeit lernen. Ich werde mich niemals so oft in einer Stunde melden können, dass sie einer Eins würdig ist. Nicht in diesem Leben.

Ich kriege also eine glatte zwei. Wie in jedem Fach, maximal. Trotz Nachteilsausgleich, aber mehr kann ich nicht verlangen, mehr wäre ungerecht den anderen gegenüber.
Ich werde nie ein Einser-Abi schaffen. Weil der Autismus mir im Weg steht. Weil ich so schlecht reden kann, nicht vor Leuten, nicht im Unterricht.

Ich fühle mich ja nicht oft behindert. Ich muss zugeben, heute ist es doch der Fall gewesen. Und ein bisschen hat die Erkenntnis wehgetan. Auch wenn ja letztendlich niemand etwas dafür kann.

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8 Antworten zu Besser wird es nicht

  1. Alina schreibt:

    Ich weiß nicht, ob es dir hilft zu wissen, dass ich im mündlichen auch nie gut war, auch ohne Autismus. Lehrer, die Strichlisten geführt haben, haben gemerkt, dass es mehrere Fächer gab, in denen ich ganze Halbjahre lang mich nicht ein einziges Mal gemeldet hab und auch in den anderen Fächern kamen meine Meldungen nur mal alle paar Wochen. Fachlich hätte ich meist aber wohl etwas beitragen können.
    Das Problem war mir seit mindestens der 6sten oder 7ten Klasse bekannt, ich habs bis zur 13ten trotzdem nicht in den Griff bekommen. Trotzdem war mein Abschlusszeugnis letztlich echt okay.
    Kurzum: Versuch dich davon, dass Mündlich nicht so deine Stärke ist, nicht zu sehr runterziehen zu lassen und behindert musst du dich deshalb nicht fühlen. Das passiert auch Leuten, denen keine “Behinderung” diagnostiziert wurde.

  2. Anita schreibt:

    Ich finde, Du hast allen Grund Stolz zu sein.

    Und Du hast echt Glück, Du hast, was ich verzweifelt versuche, für meinen Sohn dies 70/30 Regel durchzusetzen. Dies ist aber hier im Reg.-Bezirk nicht möglich. Hier schlägt die SoMi voll durch. Und da würde selbst eine eins im schriftlichen durch eine 5 im schriftlichen „erschlagen“.

    Und somit hat sich mein Sohn mittlerweile fast aufgegeben.

    Ich komme mir mit meiner Bitte jetzt schon ziemlich „frech“ vor. Aber da ich hilflos zusehe, wie mein Sohn immer tiefer abrutzscht, stelle ich doch meine Frage. Könntest Du einen Kontakt zu Deinen Eltern mit mir herstellen, falls sie dieses evtl. wöllten? Ich brauche dringend Beispiele, dass in NRW diese Regelung möglich ist.

    Die Lehrer an seiner Schule sind schon echt beratungsresistent.

    Da nützt es schon nichts mehr, dass es einige Mitschüler gibt, die ihn mögen oder auch nur „ertragen“, wenn die Lehrerschaft so Null Ahnung von Unterstützung haben.

    So, genug gejammert, wenn es Dir zuviel ist, lösch einfach meinen Beitrag.
    LG Anita

  3. Kiezkicker schreibt:

    Wäre es für dich denn vielleicht eine Alternative, eine Talkerapp für dich sprechen zu lassen? Vielleicht auch nur, um die Sätze vorher mal formulieren zu können? http://www.letmetalk.org oder so..

  4. mellissandra schreibt:

    deine fans warten auf einträge 🙂

  5. Quästor schreibt:

    Fuchskind hat mich heute auf Deinen Blog aufmerksam gemacht. Deine Art zu schreiben gefällt mir sehr gut. Mehr davon 🙂

  6. endolex schreibt:

    Da kann durchaus jemand was dafür. Eine (nicht zuletzt kapitalistische) Gesellschaft zum Beispiel, welche nach ganz bestimmten Kriterien „Bildung“ veranstaltet und bewertet.

  7. NT schreibt:

    Ich verstehe deine persönliche Enttäuschung.
    Für dein Leben ist das aber nicht schlimm: die Abiturnote ist später im Berufsleben nur eines von vielen Merkmalen (und meines Erachtens nicht das Wichtigste). Und nachdem, was ich schon von dir gelesen habe, bin ich mir sicher: die ANDEREN Merkmale und vielen Stärken, die dich ausmachen, werden dich erfolgreich machen.

    Und vielleicht noch eine Kleinigkeit: Ein Mensch mit Einser-Abi dürfte – zumindest in der NT-Welt – eher skeptisch betrachtet werden. Hört sich vielleicht unverständlich an, aber am Ende dürfte das Zweier-Abi das bessere sein.

  8. Atari-Frosch schreibt:

    Wir haben ein Schulsystem, das auf eine bestimmte Norm ausgerichtet ist. Und wer dieser Norm nicht entspricht oder entsprechen kann, muß sich natürlich behindert fühlen. Schulnoten sagen aber überhaupt nichts über Dich aus oder darüber, was Du alles erreichen kannst. Laß Dir nichts anderes erzählen.

    Gruß, Frosch (deren Realschulnoten katastrophal und meist weit weg von 2 waren ;-))

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