Räumen wir kurz auf

Ja, ich bin Autistin. Ja, ich habe das Asperger-Syndrom.
Ja, ich bin krank. Ich habe nämlich Schnupfen.
Nein, ich leide nicht. Weder wegen dem Schnupfen noch aufgrund des Autismus‘.
Ja, ich bin behindert. Und nein, nicht geistig behindert.
Nein, ich lebe nicht in meiner eigenen Welt. Ich lebe auf der Erde, wie alle anderen Menschen auch, meines Wissens nach.
Nein, ich habe keine Inselbegabung (Und nein, das ist kein Kriterium für eine Diagnose)
Ja, ich bin hochbegabt. Nein, mein Zeugnisdurchschnitt ist „nur“ 2,38.
Ja, ich habe ein Spezialinteresse. Nein, das ist keine Inselbegabung. Nein, ich lerne keine Telefonbücher auswendig (Nein, ich kann auch meine Handynummer nicht auswendig). Nein, ich habe kein fotografisches Gedächtnis. Ja, ich schreibe Bücher.
Ja, ich mag Menschen nicht besonders. Nein, das hat persönliche Gründe.
Nein, ich kann reden.
Nein, ich habe Freunde. Nein, ich rede sowohl mit meinen Freunden, als auch mit meinen Eltern, manchmal etwas zu viel.
Ja, ich bin manchmal ein unsensibler Klotz. Nein, das bedeutet nicht, dass ich kein Mitgefühl besitze.
Ja, ich muss mir Egoismus unterstellen. Nein, ich arbeite dran.
Ja, mit Ironie hab ich es nicht so. Ja, ich benutze sie trotzdem, weil ich es kann.
Ja, ich gehe nicht gerne aus dem Haus. Denn das Wetter ist gerade furchtbar, nämlich regnerisch und stürmisch.
Nein, ich habe nicht vor Amok zu laufen.
Nein, ich möchte nicht geheilt werden. Ja, ich habe meinen Autismus lieb. Ja, er stört schon, aber in Beziehungen streitet man ja auch manchmal. Nein, ich halte nicht viel von Medikamenten. Nein, ich halte nicht viel von Therapien. Nein, ich halte nicht viel von der Berichterstattung der Medien. Ja, ich halte viel von Toleranz.

Nein, ich werde an dieser Stelle nicht verallgemeinern, denn: Nein, DEN Autisten gibt es nicht. Ja, das was hier steht, gilt zunächst mal nur für mich.

Nein, liebe Schulleitung, ich glaube doch, dass Aufklärung und Fragen beantworten meine Aufgabe ist. Denn ja, wenn ich mir die Vorurteile so ansehe und die Medien tendenziell negativ auffallen, muss ich da wohl selber ran. Und ja, Sie verwechseln Ist- mit Soll-Zustand.

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16 Antworten zu Räumen wir kurz auf

  1. denkendertraum schreibt:

    Dafür hats mich nach dem KiGa am Freitag nun vollends umgehauen mit 39 Fieber…und darunter leide ich.

  2. Anita schreibt:

    Gute Besserung für Fieber und Schnupfen an ALLE!

    Hallo Siliel,

    Zitat: „liebe Schulleitung“

    halten die sich für Allwissend???

    DEN Autisten gibt es NICHT. Absolut wahr!
    Es gibt Ähnlichkeiten!
    Aber es ist gewiss nicht verallgemeinernd!

    Und die Schwierigkeiten des Einen können das Können das anderen Sein.

    Wie bei ganz gewöhnlichen „Norm“-Menschen. Nur habe ich solche nur sehr selten kennengelernt!

    Und die „NORM“ bei Menschen kann NUR in Funktionalität und Langeweile enden.
    Etwas, dass ich mir für mich und meine Kinder NICHT wünsche!
    Dafür hoffe ich auf Verständnis und Akzeptanz!

    Und zwar nicht nur was Hautfarbe und Religion angeht, sondern AUCH, was unterschiedliches Denken angeht!

  3. nimabe schreibt:

    ich könnte Dich umarmen, wunderbar mit allen Klischees aufgeräumt (die mir gerade bewusst sind).

  4. Franci schreibt:

    Wundervoll! Und wer soll denn sonst aufklären, wenn nicht wir selbst?

  5. Alina schreibt:

    Hallo Siliel!
    Ich lese nun bereits seit ein paar Wochen ziemlich begeistert deinen Blog und finde ihn unheimlich interessant und spannend. Gerade diesen Artikel mag ich sehr, da ich selbst immer wieder mit Klischees aufräume und mir daher dieser Rundumschlag super gefällt.
    Ich freu mich schon auf weitere Beiträge von dir und werd mich wohl auch in Zukunft hin und wieder in den Kommentaren blicken lassen.
    Viele Grüße,
    Alina

    • dassiliel schreibt:

      Hallo ^^ Freut mich, dass ich Leuten gefalle 😀 ich hoffe ja, dass ich demnächst wieder was zu erzählen hab – andererseits ist erstmal genug passiert, aber dann denk ich mir halt was aus. :3

  6. Blubb schreibt:

    Ich muss mich mal als anonyme Leserin outen und sagen: Ich find dich ganz herrlich!
    In der Schule hatte ich auch total Probleme, weil ich einfach schüchtern war und nicht gerne geredet habe, die meisten Lehrer konnten damit schon nicht umgehen.
    Und ich finds toll, dass du schon allein durch deinen Blog zeigst, dass man trotz Asperger DURCHAUS lebens- und denkfähig ist. Daumen hoch für deinen Einsatz! Nach der Schule interessiert sich übrigens niemand mehr dafür, was irgendwelche Lehrer, Schulleiter etc. von einem halten.
    Liebe Grüße

    • dassiliel schreibt:

      Vielen Dank für die Blumen :3 Freut mich, dass ich gut ankomme (Und dass ich offenbar auch zeige, was ich zeigen will).
      Bei mir sagen sie auch immer noch alle, dass ich doch einfach nur mehr sagen soll. *seufz* Vermutlich lernen die das in diesem Leben auch nicht mehr.

  7. Eva schreibt:

    Oh mein Gott, wenn ich nur früher schon gewusst hätte, dass ich Autistin bin. Denn ich habe solche Fragen gehört, und dann hätte ich ähnliche Antworten gegeben. Dann hätte ich gewusst, wieso Hochbegabte sogar mal sitzenbleiben und im Abitur eine Durchschnittsnote haben können. Es freut mich sehr, dass dieses Wissen wenigstens denen helfen kann, die jetzt in die Schule gehen. Ich hörte immer nur, ich sei faul. Aber inzwischen weiß ich, dass das nicht wahr ist. Und ich hoffe, in den heutigen Schulen bekommen die Autisten das nicht mehr zu hören.

  8. maedel schreibt:

    leider ist das immer noch so Eva…neben dem Satz „das muss er doch auch mal lernen, wie alle anderen auch“ oder ganz neu im letzten Gespräch „nicht so leistungsorientiert wie seine Mitschüler“ (vielleicht wäre eine weniger leistungsorientierte Klasse eher wa für ihn), ist „der ist nur faul“ einer der häufigsten Sätze, die ich von den Lehrern der Schule höre.

    • Anita schreibt:

      Ja, die Sprüche gibt es immer noch.

      Und sie scheinen im Studium „einstudiert“ zu werden, da ich exakt den selben Wortlaut zu hören bekomme.

      Das schlimmste daran ist, dass diese Sätze nicht nur mir als Mutter um die Ohren „fliegen“, sondern mein Ältester aufgrund seines Alters diese selber zu hören bekommt und überhaupt nicht damit umgehen kann.

      Zarte „Pflänzchen“ des Wollens werden direkt „zertrampelt“. Hilfsanfragen hingegen werden übergangen oder zeitlich so spät beantwortet, dass er sich mal wieder in seinen Denkschleifen festrennt.

  9. pulinalein schreibt:

    Ich schreibe auch Bücher! Habe schon 2 Bücher geschrieben.

  10. Alf schreibt:

    Ich bin keine Autistin, kenne allerdings mehrere Menschen mit Asperger Syndrom. Einige von ihnen erscheinen manchmal etwas eigentümlich, was für mich allerdings einfach zu ihnen gehört. Sie sind wunderbare Menschen und ja, ich könnte mir sogar eine Beziehung mit einem Asperger Autisten vorstellen. WARUM NICHT!!! Immer dieser Vorurteile von Gefühlskälte, Egoismus usw.
    Manchmal frage ich mich wie behindert die NORMALOS eigentlich sind, die können sich doch anscheinen so schwer in den Menschen mit Autismus einleben. Informiert Euch besser über Autismus und behandelt sie mit Respekt. Von den meisten könnt Ihr noch ne Menge lernen!!!!

  11. Pingback: Räumen wir kurz auf | autsme

  12. autsme schreibt:

    Gute geschrieben lustig und wirklich 🙂 So ist das 🙂

  13. moonshine00 schreibt:

    Also ich finde diesen Artikel einfach super. Darauf hin hab ich ihn mal aus meiner Sicht geschrieben 🙂 (In meinem Schulblog, mir war in der Schule langweilig…Nur leider wollte ein Lehrer ihn mir wegnehmen, da musste ich ihn in den Mülleimer schmeißen, Lehrer eben..) Ich finde es einfach klasse wie du hier schreibst 😀 Ich wünschte ich würde dich in real-life kennen 😀 (geht leider ja nicht..) Auf jeden Fall zeigst du “normale“(wenn ich es mal so sagen darf) Menschen wie es ist Asperger zu haben und dafür danke ich dir sehr!

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