What he says?

(Und wer zum Teufel hat sich eigentlich ausgedacht, dass die Geldautomaten jetzt jedes Mal fragen, wie ich meine 20 Euro denn zerstückelt haben möchte. Das macht mich wahnsinnig! Und die Leute hinter mir übrigens auch, denn die müssen ja damit klarkommen, dass ich damit nicht klarkomme. Hört mal Jungs und Mädels bei der Bank da, ich will doch einfach nur mein Geld haben…)

Irgendjemand bei uns in der Schule hatte sich also in den Kopf gesetzt, dass es doch eine wirklich grandiose Idee wäre, unserer ganzen Stufe eine mündliche Prüfung in Englisch ins Gesicht zu drücken. Das sollte eine ganze Klausur ersetzen und auch ganz bestimmt pädagogisch wertvoll sein – mich hat es übrigens in erster Linie meine Nerven, den Verstand und wahrscheinlich auch noch mein Erstgeborenes gekostet, wenn ich denn eins hätte.

Ich überspringe an dieser Stelle ganz dezent die Stelle mit dem „Ich warte drei Monate, bis hier irgendwer seinen Hintern hochkriegt und sich herablässt, mir mal Informationen zuzuschieben“, denn ich hatte, in weiser Voraussicht Panik, erstmal ganz schnell gefragt, ob es denn auch Alternativen gäbe. Meine Englischlehrerin zeigte sich erfreulich engagiert (Und ich mag die Frau unter anderem deswegen, denn sie ist so lieb) und der Sache nicht abgeneigt, hatte auch ein paar Ideen in petto – leider nur hatte sie in der Sache nichts zu entscheiden und so ging es an die Oberstufenkoordination. Drei Wochen später erkundigte ich mich, was denn da los sei, ich bekam als Antwort, die Oberstufenkoordination hätte das auch nicht zu entscheiden und die Schulleitung nähme sich der Sache an. Und der Rest – wir kennen es von Literatur – verlief dann erstmal im Sande.
Zu meinem großen Nicht-Erfreuen hatte mein Kurs das große Los gezogen und durfte erst Anfang Januar die Prüfung machen, im Gegensatz zu den armen Schluckern aus den Leistungskursen, die gut einen Monat weniger Vorbereitungszeit hatten und noch am wenigsten, so schien es, wussten, auf was man sie da eigentlich losließ. Das Schicksal erblieb uns nun erspart, hieß im Umkehrschluss aber auch, dass sich die Bürokratie sehr, sehr viel Zeit lassen durfte. Und die auch ausnutzte, bis ihr die Deadline irgendwann ins Gesicht klatschte und dann innerhalb einer Pause eine Entscheidung gefällt wurde.
Ja, ich mache die Prüfung. Ja, wir bewerten die Gruppenarbeit innerhalb dieser Prüfung etwas weniger stark. Nein, du brauchst dir keine Sorgen machen, das kriegst du schon hin, du kannst ja Englisch.

Ja, verdammt. Ich kann Englisch. Lesen und schreiben. Nicht sprechen. Manno.
Nun, wie auch immer, wurde ich in eine Gruppe zu zwei wirklich sehr freundlichen Mädels gesteckt und alles sollte gut sein.
Bis auf die Tatsache vielleicht, dass ich am Tag vor der Prüfung kein Auge zumachte, halbtot in die Schule wankte und überlegte, wie ich denn nun vor den Lehrern sprechen sollte, ohne erstens die Nerven und zweitens den Inhalt meines Magens zu verlieren.
Was soll ich sagen? Es kam nie zur Prüfung. Zumindest nicht an diesem Tag. Denn neben dem Vertretungsplan hing ein lustiger, mit roten Edding beschrifteter Zettel, der mir mitteilte, dass die Prüfung auf nächste Woche verschoben wird, also grade mal nicht stattfindet.

Ja, ich hätte die Schule zerlegen können.

Also, nächste Woche, selbes Spiel. Wir schrieben mittlerweile Mitte-Ende Januar, in zwei Wochen waren Zeugniskonferenzen und langsam musste dann doch mal was kommen. Ich wankte also schlaflos und mit Bauchschmerzen in die Schule, machte die Prüfung dann aber tatsächlich, und war der festen Überzeugung, einen ziemliches Mist zusammengeredet zu haben. Denn ich habe mich verflucht oft verrannt, durfte Sätze neu anfangen, und dass ich gezittert habe wie Espenlaub kam auch noch dazu. Herzlichen Glückwunsch Siliel, Hauptgewinn – aber immerhin, wenn die Note schlecht wird, ich weiß warum.

Nächste Woche hätte es dann die Noten gegeben – hätte, wenn wir Mittwoch Englisch gehabt hätten, ich Donnerstag nicht auf Exkursion gewesen wäre und wir Freitag Englisch gehabt hätten und ich am darauffolgenden Mittwoch nicht krank gewesen wäre. Zu dem Zeitpunkt waren die Zeugniskonferenzen um, jeder hatte seine Note, das Siliel nicht – und wenn es ehrlich war, dann wollte es so unbedingt auch nichts dran ändern. Am Freitag kam ich dann nun doch nicht drumherum, nachdem ich mich mit meiner Englischlehrerin noch wegen meiner Facharbeit getroffen hatte (Sie ist sehr gespannt drauf. Ich übrigens auch.), kam sie am Ende des Gespräches noch einmal auf mich zu. „Ich habe deine Noten für die mündliche Prüfung ja noch.“
*Schluck* „Ja.“
„Also, das ist ja eine sehr schöne Prüfung gewesen, muss ich sagen, eine der besten und…“
„Was?“
„Ist wirklich sehr schön gewesen.“
„Ich… äh… oh. Cool.“
„Ich gebe dir den Bewertungsboden dann gleich in der Stunde, ja?“
„Öhm… Okay.“

Nachdem ich mich nun also erfolgreich davon abhielt, augenblicklich in Ohnmacht zu fallen und in meinem wunderbar weichen Bett wieder wach zu werden, marschierte ich, wie man das als guter Mensch so macht, zu meinen Freunden und erzählte und war mir relativ sicher, dass sie meinen Erwartungen, in heillose Freude auszubrechen, dieses Mal entsprechen würden.
Fehlanzeige.
Die guckten mich in erster Linie nämlich an, als wäre ich verrückt geworden.
„Irgendwie… kommt das nicht hin, mit dem was Rikku grad erzählt hat.“
„Was hat sie denn erzählt?“
„Na ja, bei der Notenbesprechung meinte Frau S., sie hätte gerade die Prüfungsnoten für die Autistin in meiner Stufe eingetragen und das wäre ne Vier Plus gewesen.“
„Ehm… Die Dame hat mich nicht mal geprüft. Die ist nicht mal im selben Raum gewesen, die kennt mich gar nicht.“ Und ganz davon abgesehen sollte „Eine der besten Prüfungen“ ungleich Vier Plus sein. Ich weiß mittlerweile zwar, dass ein „Ganz ordentlich“ durchaus eine glatte Eins werden kann, aber andersrum… Nee.
„Oh. Dann… Aber wen hat sie denn dann bitte gemeint?“
Die Frage ist nicht unintelligent, denn selbst die Schulleitung sagte und meinte, dass ich die einzige Autistin an dieser Schule bin. Das Rätsel ist bis heute ungelöst, aber mich würde das wirklich, wirklich interessieren… Na ja.

Meine Note? Ganz ordentlich. Mit einer glatten Eins durfte ich die Stunde verlassen – und mit der Frage im Hirn, weshalb ich mich eigentlich noch aufrege und wundere.

Meine Nerven, Kinners. Meine Nerven… Übermorgen gibts Zeugnisse. Stay tuned, vielleicht passiert da ja noch was spannendes. Auf meine Note in Physik bin ich zumindest wirklich gespannt.

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Eine Antwort zu What he says?

  1. Anita schreibt:

    Hallo Siliel,

    manchmal könnte man meinen, dass Du an einer der Schulen meiner Kinder wärst.

    Die „Buschtrommel“ ist schrecklich. Das Gerede derer, die irgendwas aufgeschnappt haben 🙄 🙄 Und die Lehrerin, die da so einen Kommentar abgelassen hat, einfach schrecklich!

    Aber Gratulation zur Englischnote und Hut ab, dass Du es geschafft hast und nicht in Ohnmacht gefallen bist!!!!

    LG Anita

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