Hoch wissenschaftlich!

Ich war also auf Exkursion heute. Mit meinem herzallerliebsten Geschichts LK, der zumindest sehr überzeugend so tun kann, als hätte er mich lieb. Ich habe mittlerweile beschlossen, dran zu glauben, und fühle mich wohl. Jedenfalls war ich auf Exkursion. Im Wirtschaftsarchiv. Und dann im Brauereimuseum. Im Dienste der Wissenschaft!
Jedenfalls – ich habe die Ereignisse mal aufgeschrieben. Chronologisch richtig, aber die Minuten müssen nicht genau stimmen, ist aber auch egal. Ihr wisst Bescheid, ich lege los. Erwartet nicht zu viel Fachliches – das Drumherum war dann interessanter.

6:31
Mein Wecker klingelt und mir ist schlecht. Da ich gefühl gerade noch mitten im Tiefschlaf stecke, drehe ich mich nochmal um bis

6:52,
als mich dann nichts anderes als der blanke Wahnsinn aus dem Bett und die Übel- und Müdigkeit zurück ins Bett zerren. Wie sich das gehört gewinnt der Wahnsinn. Mittlerweile weiß ich wenigstens, weshalb mir schlecht ist: Wir kriegen heute unsere Noten in Philosophie und ich weiß keinen Grund, weswegen ich noch eine 3 verdient hätte. Was mir aktuell mehr Angst macht als eine gewisse Exkursion.

8:00
Ich sitze im Unterricht und könnte die ganze Welt töten. Scheitert vermutlich daran, dass ich vor Wollendung meines Meisterwerks wegpenne.

9:02
Ich kriege eine glatte 3 in Philosophie und hätte es wohl ahnen müssen. Ich beschließe zum drölfzigsten Mal, mich einfach nicht mehr zu wundern.

9:15
Ich kaufe mir das Notizbuch, in das ich gerade (12:50, etwas im Zeitverzug) schreibe und finde keine Lamypatronen. Da die Zeit aber drängt und ich keine Tinte mehr habe, kaufe ich notgedrungen und zähneknirschend die Billig-Imitate, die es ja wohl auch tun werden. Wehe, wenn nicht.

9:49
Mein Geschichtslehrer hat also kein Quizduell. Ich schon, aber ich gebe den anderen meinen Namen nicht, so böse bin ich. Während der U-Bahnfahrt schreibe ich und lasse meine Charakter die Nerven verlieren.

10:11
„Steichbügel für den Gaucho inne Pampa!“
Politisch nicht unbedingt korrekt – aber selbst denjenigen unter uns, die im Umkreis von 15 Kilometern konsequent alle Ortsschilder ignoriert haben, dürfte nun klar sein: Jawohl, wir sind im Ruhrpott. Und ich sitze im Wirtschaftsarchiv mit meiner Gruppe und fang dann mal an zu arbeiten.

10:40
Ich drücke auf meinem Daumen rum und hoffe, die Quelle nicht vollzubluten. Dazu müsste er zwar erstmal damit anfangen, aber die Chance ist da.

12:23
Die Stereo-Dias aus dem ersten Weltkrieg („Müssen wir eins raussuchen, wo keine toten Pferde drauf sind!“) liefern bessere 3D-Bilder als eine gewisse Handheld-Konsole von Nintendo, macht aber auch so viele Kopfschmerzen. Faszinierend – irgendwas haben wir in hundert Jahren falsch gemacht.
Ertappe mich außerdem dabei, Pläne zu entwickeln, wie man das in seinen Dimensionen beeindruckendste Buch, das ich jemals gesehen habe, vernünftig entführen könnte. Es heißt Helmut und sein ehemaliger Besitzer hatte eine wirklich, wirklich schöne Handschrift. Heute lernt mal Kalligraphie, damals schrieben die Leute einfach so.

12:53
Menschen in der U-Bahn! Mein Handy gibt aus unerfindlichen Gründen den Geist auf und ich stehe ohne Musik da. Überlege, alles kurz und klein zu schlagen. Dummerweise gibt es Zeugen.

14:07
Wir beginnen mit der Führung durchs Brauereimuseum und unser Referent, der interessanterweise nochmal doppelt so große Ausmaße hat wie ich (Also ich bin ja 1,83), haut einen Spruch nach dem anderen raus (Die ich jetzt schon wieder alle vergessen habe, Schande über mein Haupt!). Herrlich – findet mein Kurs nur leider nicht.
Mich beschleicht das Gefühl, ich hätte vielleicht mal was trinken sollen.

14:42
Ich hätte ganz bestimmt mal was trinken sollen. Ehe mein Kreislauf aber endgültig den sterbenden Schwan gibt, können wir uns aber kurz hinsetzen. Glück gehabt. Danach wäre die Führung auch gleich wieder um einiges interessanter – leider ist sie vor allem an der Stelle vorbei. Na ja.

15:20
Ich verabschiede mich von meinem Kurs, hechte in den Kaufzoo um die Ecke und besorge mir Essen und Trinken. Oh mein Gott, ich lebe! Es leeeeeeeebt!

16:00
Bin leidlich wieder hergestellt, aber immer noch voller Motivation, die Sache an der Stelle unspektakulär zu beenden, während mir ein kleines Kind die Ohren vollheult. Da mein Handy sich aber doch wieder die Ehre gegeben hat und wieder anging, ist das auch kein Problem mehr.
Ich drücke immer noch auf meinem Daumen rum und wundere mich, warum es immer noch nicht blutet. Na ja.

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