Piccolo ist auch Sekt

In erster Linie aber mein Hund. Jawohl, denn nachdem wir nach wochenlanger Suche immer noch keinen Namen für das gute Tier hatten, haben wir einfach seinen Namen von der Züchterin übernommen. Piccolo. Oder auch einfach nur „Hund“.

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Dieser kleine Kerl liegt uns nun also schon seit sechseinhalb Jahren stoisch im Weg, im Bad oder vor dem Kamin und lässt sich ansonsten liebhaben, bis es nicht mehr geht.
Und ich liebe diesen Hund, natürlich, ansonsten wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen haben zu wollen. Aber ich schätze ihn eben auch wert, mittlerweile noch mehr, als mein 11jähriges Ich es sich hätte träumen lassen. Denn auch, wenn er gerade eher meine Hilfe braucht, weil es draußen knallt und er sich in der Küche verkriecht, er ist eine gewaltige Hilfestellung für mich. Denn ich kann mit ihm reden. Jawohl, ich rede.
Ich habe schon über mich und das Reden geschrieben und dass ich es, wenn ich nicht muss, auch nicht mit unglaublicher Begeisterung tue – aber bei diesem Hund ist das anders. Mit ihm muss man einfach reden, wenn er einen anstupst und was zu Essen will, wenn er in herzzerreißendsten Tönen meckert, dass er doch nun bitte spielen möchte, wenn man ihn dazu überreden möchte, seinen Hintern doch vom Sofa zu bewegen… Man kann nicht anders. Auch wenn es sich für Außenstehende befremdlich anhören mag.
Zum anderen ist so ein Hund zwar kein Kuscheltier, aber Piccolo gibt sich Stellenweise einfach sehr viel Mühe, um so zu tun. Und wenn ich ihn wirklich mal zum Knuddeln und LIebhaben brauche, dann ist er auch da – gut, solange bis es Essen gibt, aber selbst das kann man ihm problemlos verzeihen.
Und dann ist da noch das wichtigste von allen. Denn wenn meine Eltern nicht da sind und es zeitlich bei mir passt, dann muss ich natürlich mit dem Hund raus. Und dann bin ich – bis auf die letzten Wochen vielleicht, weil er da nicht weit laufen konnte – gezwungen, mit diesem Hund vor die Tür zu gehen, auch wenn ich eigentlich keinen Grund dazu habe. Ich bin gezwungen, nach draußen zu gehen, an die frische Luft und unter Menschen.
Und verhindert damit tatsächlich, dass ich mich in meinem Zimmer einschließe und nicht mehr rauskomme – wenn es nicht zufällig Essen gibt.

Piccolo ist kein ausgebildeter Begleithund, und erst recht keine offizielle Assistenz, in welchem Sinne auch immer. Aber er kommt aus einer „Familie“ von  Therapiehunden, die vor allem in Seniorenheimen, aber auch bei Kindern eingesetzt werden und ich behaupte einfach mal, dass man das auch merkt. Er ist für mich mehr als ein einfaches Haustier, er ist eine Konstante, mein bester Freund und irgendwie doch ein Begleiter. Als er richtig krank war, habe ich die Nacht bei ihm gesessen, weil ich nicht ruhig schlafen konnte – noch weniger, als er dann operiert werden musste, der arme Kerl. Das, was ich mal zum Thema Vermissen geschrieben habe, gilt für Menschen, aber nicht für meinen Hund. Das sagt genug aus, wie ich finde. Wenn ich könnte, würde ich ihn mit in die Schule nehmen, überall hin, wenn ich dürfte und wenn er das mitmachen würde. Es gibt mir Sicherheit, auf eine Weise, die ich nicht beschreiben kann.
Und ich habe jetzt schon fürchterlich Angst vor dem Tag, an dem mein Hund nicht mehr sein wird. Aber darüber mag ich lieber nicht nachdenken.

Zum Schluss noch: Dieser Blogpost ist Teil der zweiten Blogger Thementage, organisiert vom lieben Quergedachtes. Und es würde ihn und mich mit Sicherheit freuen, wenn ihr mal vorbeischauen würdet. 🙂

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4 Antworten zu Piccolo ist auch Sekt

  1. quergedachtes schreibt:

    Vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich habe ich gleich ins Programm eingepflegt. Wenn du mir noch eine Kurzbeschreibung deines Blogs schickst kommst du auch auf die Teilnehmerliste 🙂

  2. mehrblick83 schreibt:

    Hallo, ich bin über die Thementage bei dir gelandet.
    Toller Text! Er zeigt auf ganz schlichte Weise, wie einfühlsam Tiere sein können, ohne dass sie dafür ausgebildete Therapiehunde sein müssen. Es freut mich sehr, dass du in deinem Hund einen treuen Begleiter und Gesprächspartner gefunden hast! Und das mit dem Gesprächspartner meine ich ernst! Ich habe selber eine Hündin, die ich sogar mit zur Arbeit nehmen kann, und ich merke immer wieder, wie es mir in stressigen Situationen hilft, kurz mit ihr zu sprechen und mich einfach kurz mit ihr zu beschäftigen. Das ist sehr entspannend.

    Euch beiden weiterhin noch ein schönes gemeinsames Leben! 🙂

  3. sabrinastolzenberg schreibt:

    Ich finde es sehr schön für Dich, dass Dein und mehr als „nur“ ein Haustier ist und hoffe, dass ihr noch eine lange Zeit zusammen haben werdet. LG Sabrina

  4. Anita schreibt:

    Ein Hund und/oder eine Katze, ein Pferd (usw. uswf.) bietet eine ganz andere Art von Bindung als ein Mensch.

    In den meisten Fällen erwarten Tiere NICHTS von einem Menschen, schon gar keine komplexe Unterhaltung!

    Sie sind einfach DA und lassen das Gegenüber SEIN!

    Wenn ich unsere Katze so ansehe, die sich hier in die Herzen aller „geschlichen“ hat, die sogar unseren Chaos-Zwerg erträgt.

    Wenn es ihr zuviel wird, dann zieht sie sich zurück. Wenn es einem schlecht geht, dann ist sie einfach da.

    Ich wünsche Dir noch viele glückliche Momente mit Piccolo! (Der übrigens ein ganz Süßer ist!) 😉 🙂

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