Speziell?

Bevor ich euch erzähle, was diesen November alles für mittelschwere Katastrophen passiert sind, melde ich mich lieber mit etwas Unverfänglichem aus einer gewissen Pause wieder. Erst einmal Hallo und vielen lieben Dank, dass ihr mich und den Blog hier offenbar nicht vergessen habt. 850 Aufrufe letzten Monat sind unglaublich toll, dabei ist doch überhaupt nichts passiert. 🙂 Das motiviert doch gleich, wieder weiterzumachen.

Zum anderen möchte ich über ein Thema sprechen, über das ich gerne und (zu) viel rede, und was vermutlich niemanden sonderlich wundern wird, wenn der sich ein bisschen mit Autismus beschäftigt hat. Dieses Thema wäre, richtig, ein gewisses Spezialinteresse. Das, wie man auch weiß, von Mensch zu Mensch, von Autist zu Autist variieren kann, sich nicht auf ein Thema beschränken muss, und so weiter und so fort… Regel? Fehlanzeige! Aber man ist sich zumindest einig, dass so ein Spezialinteresse da sein kann, und weil ich gerne drüber rede, ist das für mich Grund genug, genau das zu tun. Wuhu!

Ich teile meine Spezialinteressen, denn ja, ich habe mehrere, in zwei Gruppen auf. Einmal Interessen in erster Linie und einmal Interessen in zweiter Linie, die aus den Interessen der ersten Linie resultieren. Verwirrt? Macht nichts! Dafür bin ich ja schließlich hier und werde jetzt vermutlich einen viel zu langen Post tippen, den keiner mehr lesen will.
Kommen wir also nun zum Interesse in erster Linie. Wie ihr vielleicht wisst, schreibe ich Bücher, was allgemein unter meinen Mitschülern immer wieder zu leichtem Entsetzen führt, als hätte ich ihnen gerade erzählt, ich wäre in Wahrheit ein Elefant aus der Zukunft, der seine Gestalt beliebig ändern kann.  Woraufhin ich an dieser Stelle meistens schon gar nicht mehr versuche, weiter etwas zu sagen, weil mich alles andere vermutlich nur noch unglaubwürdig macht.
Warum?
Nun. Und das macht mein Spezialinteresse vermutlich so speziell, denn zum einen habe ich es diesen November auf (vollkommen absichtliche) 179,999 Wörter gebracht, zum anderen hat mein aktuelles Projekt („Die Engel“, einen besseren Titel habe ich beim besten Willen nicht) inzwischen knapp mehr als eine halbe Million Wörter. Das sind… *rechne* (Im übrigen sind sämtliche Dokumente, in denen das alles aufgeteilt gespeichert ist, mittlerweile so groß, dass mein Netbook leichte Krämpfe kriegt, wenn ich damit arbeiten will… ups) Weit über 2000 Buchseiten (2213, um genau zu sein). Und nein, ich rechne bei Weitem nicht damit, in absehbarer Zeit damit fertig zu werden – 2014 erst recht nicht, vielleicht irgendwann ums Abi herum. Ich weiß es nicht.
Das Schreiben allein gehört da mittlerweile nicht mehr nur zu. Denn zum einen hat die Sache mittlerweile eine Zeitleiste bekommen, die 15,565 Jahr umfasst, von denen ich aktuell etwa die Hälfte beschrieben habe, zu anderen habe ich für den Himmel ein komplettes Strafrecht ausgearbeitet und eine Hierarchie. Ich feile gerade an einer Art Verfassung und eine Militärstruktur – langsam nimmt es leichte Züge von Mittelerde an. Dabei war das nicht wirklich geplant, mittlerweile muss es aber tatsächlich sein, wenn ich selber den Überblick behalten will (Und die Hälfte muss ich sowieso schon überarbeiten, weil ich gewisse Fakten zu dem Zeitpunkt der Entstehung einfach noch nicht wusste…)

Angefangen hat diese ganze Geschichte im November 2011. Danach habe ich 47,000 Worte verworfen, alles nochmal 9 Monate von vorne geplant, irgendwann gemerkt, dass ein Buch nicht ausreicht, um wirklich alles zu beschreiben, was passiert – „Deleted Scenes“ mussten her, gedacht als eine lose Sammlung Szenen, die nicht mehr ins Buch passten, mittlerweile machen sie zwei Drittel der Gesamtmasse dieser Geschichte aus und sind damit mehr als doppelt so lang wie das eigentliche Buch, haben mehrere Handlungsstränge, die sehr gut ein eigenes Buch abgeben könnten. Binden lassen kann ich die Sache schon seit Ewigkeiten nicht mehr, denn bei den meisten Anbietern ist bei 700 Seiten Schluss. Und der Anfang fehlt immer noch, das werde ich das ganze Jahr lang über planen müssen – die Frage, wie diese Welt, die ich mir da ausgedacht habe, eigentlich begonnen hat, wie diese ganzen Charaktere nun zu dem geworden sind, was sie jetzt sind, mit all ihren Eigenschaften, Macken und Traumata, mit ihren Erinnerungen und Gefühlen… Wenn ich das alles weiß und aufgeschrieben habe, dann kann ich die Engel beruhigt und mit gutem Gewissen abschließen und was Neues beginnen. Und sie irgendwann werde ich sie dann überarbeiten (müssen) und dann… mal sehen. Für die Schublade sind sie zu schade. Aber es bleibt die Frage, wer sich eines solchen Monsterprojektes annimmt und es auch noch an den Mann bringen will?

Wie auch immer, genug geschwärmt von meiner eigenen Geschichte. Ich sprach von Interessen zweiter Linie, die aus Interessen erster Linie – also dem Schreiben – resultieren. Die Engel sind ein unheimlich großes Projekt, das, wie der Name schon verlauten lässt, nicht ganz ohne einen gewissen biblischen Hintergrund läuft. Irgendwoher muss die Inspiration schließlich kommen. Das hat zwangsläufig dazu geführt, dass ich irgendwann unter anderem auf der Suche nach Namen und diversen anderem Zeugs, das ich noch in die Stors stopfen konnte die komplette deutsche und englische Wikipedia zum Thema Engeln und Dämonen durchgelesen und zu nicht allzu kleinen Teilen auch auswendiggelernt habe. Mittlerweile habe ich als Atheistin auch eine Bibel immer in Reichweite (Nichts geht über die Offenbarung des Johannes!) und besitze ein Lexikon über Engel, das mittlerweile relativ bemitleidenswert aussieht, weil ich es so oft quergelesen habe. Und mittlerweile ist aus der Recherche ein unheimliches Interesse an solchen Dingen geworden, und meine Faszination an der christlichen Mythologie ist riesengroß. Ernsthaft. Und um die Bibel toll zu finden, muss man ja nicht glauben, was drinsteht.
Andererseits hat diese Geschichte auch immer sehr viel mit Krieg zu tun gehabt. Die Auseinandersetzung zwischen Himmel und Hölle ist immer ein großes Thema gewesen, wie es nun einmal zwangsläufig sein muss, Frieden kann langfristig nicht geschlossen werden, nur mehr oder weniger für längere Zeit gedachte Waffenstillstände, in meiner Geschichte ist der Konflikt zwischen diesen beiden Parteien Grundvoraussetzung, immer da, manchmal mehr im Vordergrund stehend, manchmal weniger. Daraus resultiert natürlich, dass zumindest bei den Engeln das Militär einen wesentlich höheren Stellenwert hat, als ich mir bei uns hier vorstellen kann (und will). Daraus wiederum resultiert eine vermutlich leicht fragwürdige Faszination für Kriege. Ich bin ein recht friedlicher Typ Mensch, wenn man mich nicht gerade zur Weißglut treibt, und ich halte Frieden für ein wertvolles und schätzenswertes Gut, versteht mich nicht falsch. Aber auf einer gewissen Ebene faszinieren mich gerade die beiden Weltkriege immer wieder aufs Neue – zum einen geht es mir auch hier wieder um Recherche, ich will – oder muss – wissen, wie Soldaten leben, was sie denken, fühlen, warum sie handeln, wie sie handeln – zum anderen aber habe ich Geschichte nicht umsonst als Leistungskurs. Ich kann schlecht in Worte fassen, was daran so interessant ist, was andere wiederum für langweilig halten (Und zugegeben, nicht wenige Sachen in Geschichte interessieren mich auch überhaupt nicht), aber alleine die Vorstellung, dass vor über 150 Jahren Menschen für das, was für uns heute selbstverständlich ist, gekämpft haben und dafür gestorben sind… Da kann man doch nicht behaupten, dass einen das nicht kalt lässt.

Und bevor ich mich noch weiter darüber auslasse, was ich noch alles toll finde, lese ich lieber weiter. In meinem Buch über Soldaten im zweiten Weltkrieg.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Asperger allgemein, Schreiben abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Speziell?

  1. mellissandra schreibt:

    wow, also einen käufer hast du schon, wenns rauskommt, klingt sehr interessant, trifft zu einem sehr großen teil auch meine SI, kennen deine engel eigentlich combat stress? (ist die militärvariante der PTBS)

  2. Anita schreibt:

    Ui, großes Thema. Schön!

    Liegt mir als stark „suchtgefährdeter“ 😉 Leser sehr 🙂

    Ich freue mich schon jetzt drauf, wenn Du es verlegen lässt.

    Die Zeitgeschichte von 1850 bis jetzt ist sehr spannend, prägt sie doch unsere Gesellschaft bis heute. Und ist noch längst nicht abgeschlossen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s