In eigener Sache

So. Ich melde mich mal kurz, nur um euch zu sagen, dass ich mich diesen Monat nicht mehr melde. Das liegt weder daran, dass ich krank bin, noch dass mein PC/Internet gestorben ist. Sondern schlicht und einfach am NaNoWriMo. National Novel Writing Month. Da geht es, in Kurzfassung, darum, innerhalb von 30 Tagen 50000 Wörter zu schreiben – oder in meinem Fall, weil mich 50000 nicht fordern, in etwa dreimal so viel. Wer sich weiter damit auseinadersetzen will, darf das hier gerne tun: http://www.nanowrimo.org

So eine Menge Wörter zu schreiben, kostet einiges an Zeit und Anstrengung, die ich deswegen im November nicht dem Blog widmen kann, so leid es mir tut. Nur ist der NaNoWriMo schon länger Teil meines Lebens als dieser Blog und hat als jährliches Ritual leider Vorrang. Heißt: Ihr dürft im Grunde genommen diesen Monat nichts von mir erwarten. Dafür lege ich im Dezember wieder los – und wenn im November etwas Weltbewegendes passiert, dann kriegt ihr das natürlich trotzdem mit. Nur für erklärende Artikel oder das Aufarbeiten von guten Geschichten, dafür ist im Moment keine Zeit.

Entschuldigt das bitte, aber ich wollte wenigstens, wenn auch ein bisschen verspätet, noch Bescheid geben. 🙂

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20 Antworten zu In eigener Sache

  1. Ismael Kluever schreibt:

    Viel Erfolg und viel Spaß dabei! 🙂

  2. Anita schreibt:

    Auch von mir viel Spaß!

  3. Sonja Hein schreibt:

    Hallo!
    Ich lese seit einigen Tagen auf deiner Seite und finde sie einfach fantastisch!!! Ich finde es toll, wie du mit deinem Autismus umgehst: du lässt dich nicht als „behindert“ abstempeln, du nimmst es aber durchaus ernst und achtest auf deine Besonderheiten und deine Bedürfnisse, darauf, was dir gut tut und was eben nicht. Und du akzeptierst deine Besonderheit als das, was sie ist: eine andere Art der Wahrnehmung, die manchmal bestimmte Maßnahmen erfordert, damit es dir gut geht. Ich beneide dich darum. Damit komme ich auch zum Zweck meines Schreibens. Ich habe einen 12jährigen Sohn mit Asperger-Syndrom, der damit überhaupt nicht klar kommt und es auch nicht will. Er verleugnet sich ein Stück weit selbst, will es nicht wahr haben und wird dadurch depressiv. Ich wünschte, er könnte das Ganze so sehen wie du, d.h. auch über manche Dinge einfach auch mal lachen, sich selbst nicht so ernst nehmen. Autismus ist kein Drama. Er ist auch hoch intelligent, nutzt davon aber nur ein Minimum, wie ich finde. Er geht in die 7. Klasse eines Gymnasiums, ist seit dem Schulwechsel auf eigenen Wunsch ohne I-Helfer unterwegs und hat es gut geschafft. Wir haben ihn da sehr ernst genommen und ihm den Versuch ermöglicht. Glücklicherweise hat es funktioniert. Er hat 1 – 2 Leute, mit denen er „abhängt“ in den Pausen, mehr braucht er vermutlich auch nicht. Er will wahrscheinlich einfach nicht ganz allein sein. Wenn es Schwierigkeiten gibt und wir versuchen, mit ihm zu reden und zu erklären, blockt er sofort ab. Ich glaube, dass es leichter für ihn wäre, wenn er sich mit dem Thema auseinandersetzen würde, akzeptieren würde. Er muss es ja nicht überbewerten. Niemand will ihn als „Behinderter“ abstempeln!! Aber er will einfach nicht sein, was er ist, also z.B. auch keinen Nachteilsausgleich haben, wobei wir da nicht mehr lange dran vorbei kommen werden, z.B. in Sport, Referate halten…. Hast du irgendeinen Tip für verzweifelte Eltern, die ihrem oft unglücklichen Kind helfen wollen, zu sich selbst zu finden, bevor er an sich selbst zerbricht?? Wir lieben ihn so, wie er ist, trotz aller Schwierigkeiten, die es immer wieder im Umgang mit ihm auch gibt! Ich habe gelesen, dass du diesen Monat nicht mehr schreiben kannst, weil du an einem anderen Projekt arbeitest. Aber ich wäre dir sehr dankbar, wenn du vielleicht irgendwann die Zeit finden würdest, mir zu antworten.
    Ich wünsche dir alles Gute und sei glücklich!!
    Sonja

    • dassiliel schreibt:

      Hallöchen! Erst einmal vielen lieben Dank für dein Lob, das streichelt die Seele doch sehr.
      Ich hab diesen Monat tatsächlich nicht so viel Zeit, an dieser Stelle zu schreiben, aber ich denke, dass hier und da doch mal ein paar Minuten da sein sollten.
      Ich kann mich jetzt natürlich nicht gut in die Rolle von Elternteilen hineinversetzen, aus dem einfachen Grund, dass ich damit eher weniger Erfahrung habe. 😀 Aber ich kanns dennoch mal versuchen, und ich hoffe dann auch mal, dass das dann weiterhilft.

      Das Problem an der Sache ist, denke ich mal, dass es bei mir jetzt in etwa umgedreht gekommen ist, wie bei deinem Sohn. Ich war nämlich praktisch zuerst depressiv und dann kam die Diagnose – das war natürlich eine ziemliche Erleichterung, weil ich gemerkt habe, dass alles in Ordnung mit mir ist, dass ich nicht irgendwie „falsch“ bin, sondern dass ich das eben erklären kann. Deswegen habe ich den Autismus nie wirklich als was Schlimmes gesehen.
      Du musst auch bedenken, dass dein Sohn mit 12 schon in der Pubertät steckt – glaub ich, oder das dauert nicht mehr lang. (Hab ich erwähnt, dass ich Bio abgewählt habe?). Und, und das kenne ich noch von mir selbst, da macht man sich unheimlich viele Gedanken über sich und die anderen, man will halt nicht aus der Reihe fallen, man will halt irgendwie „normal“ sein. Die Phase hatte ich auch und ich habe ziemlich viel Zeit gebraucht, bis ich erkannt habe, dass mir das auch nicht gut tut.
      Ich habe jetzt nach deinen Schilderungen ein bisschen das Gefühl, dass dein Sohn jetzt eben auch eher „normal“ sein möchte – ich meine, stell dir vor, wie es wäre, wenn er auf einmal mit Nachteilsausgleich um die Ecke käme, das fällt natürlich den Mitschülern auf, gerade im Klassenverband. Ich habe ja nur noch Kurse, da ist das vielleicht nicht ganz so. Autismus ist ja als tiefgreifende Entwicklungsstörung und als psychische Behinderung definiert und wenn man das so hört, dann ist das natürlich erstmal ziemlich heftig. Ich glaube, dass ich mit zwölf auch längst nicht so gut damit klar gekommen wäre, wie jetzt. Durch die ganze Geschichte mit der Depression dieses ganze Jahr, durch das viele Mobbing davor, das deinem Sohn anscheinend und zum Glück erspart geblieben ist, bin ich dann recht zügig, na ja, ein bisschen erwachsen geworden und mittlerweile bin ich auch ein ganzes Stück vernünftiger als mein zwölfjähriges Ich.
      So wie ich die Situation jetzt beurteile, denke ich, dass wenn von deinem Sohn aus keine Notwendigkeit besteht, sich um einen Nachteilsausgleich zu kümmern, würde ich das auch nicht erzwingen. Ich bin selber, wenn man von den ganzen sozialen Dingen absieht und dass meine Klasse einfach nur… lassen wir das, recht gut ohne Ausgleiche und sonstige Sachen durch die SEK I gekommen, von daher ist so ein Nachteilsausgleich tatsächlich ganz schön, aber auch kein Muss. Und es deinem Sohn aufzuzwingen, würde die ganze Sache eben nicht besser machen. Wenn er merkt, dass er bei manchen Dingen nicht weiterkommt, wie zum Beispiel bei Referaten, eventuell auch Gruppenarbeit – wobei die für mich erst zum Problem geworden ist, als ich jetzt in die neue Stufe gekommen bin, wo ich so gut wie gar keinen kenne -, dann könnt ihr das vielleicht nochmal ansprechen. Einfach nur sagen, dass man da was drehen könnte, wenn er möchte. An die große Glocke hängen muss und sollte man das tatsächlich nicht. Meine Erfahrung zeigt mir, dass es bei solchen Sachen eigentlich immer besser ist, den Mund zu halten, aber das müsstet ihr dann entscheiden.
      Es ist sicherlich richtig, dass vieles einfacher wäre, wenn dein Sohn sich intensiver mit dem ganzen Thema beschäftigen würde. Andererseits hatte ich mit zwölf Jahren auch wesentlich Besseres zu tun, als mich über sowas zu informieren. Aber viel wichtiger ist es eigentlich von eurer Seite aus, ihn auch dazu nicht zu zwingen – wenn er nicht will, dann will er nicht. Was vielleicht helfen könnte, ist die positiven Seiten von Autismus aufzuzeigen, und davon gibt es ja dann doch eine ganze Menge. Ich meine, ich würde diesen Monat nicht statt 50000 Wörtern einfach das dreifache schreiben, wenn ich nicht Autistin wäre, fürchte ich. Oder zumindest nicht mit einer gewissen Selbstverständlichkeit erklären, dass die Sache für mich erst ab so krassen Zielen wirklich fordernd ist. Andererseits – wenn man mir das die ganze Zeit sagen würde, dann würde ich irgendwann ein bisschen Amok laufen. Du kennst deinen Sohn allerdings besser als ich, da weißt du vielleicht eher, was da förderlicher wäre. Auf jeden Fall ist es nicht sehr hilfreich, ihn über den Autismus zu definieren und da so viel wie möglich helfen und unterstützen zu wollen – das Gegenteil von gut ist wie immer gut gemeint und die Grenze dazwischen will in den meisten Fällen leider erstmal gekonnt überschritten werden. „Viel hilft viel“ gehört da eben auch zu, und wenn dein Sohn keine Hilfe haben möchte und ihr aktuell auch keine akute Notwendigkeit seht, dann braucht er auch keine.
      Es gibt übrigens tatsächlich eine ganze Menge Autisten, die sich nicht als behindert sehen und nicht als behindert bezeichnet werden wollen. Mich selbst als behindert zu bezeichnen ist auch nur meine Art und Weise, damit umzugehen… Gib deinem Sohn vielleicht einfach ein bisschen Zeit. Je erwachsener er wird, desto erwachsener wird seine Sicht der Dinge werden, da bin ich von überzeugt.

      Ein Wort noch zur Hochbegabung: Bin ich auch, habe ich auch lange dran zu knabbern gehabt. Ich habe von mir selbst erwartet, dass ich gefälligst gut zu sein habe, weil ich hochbegabt bin – aber das funktioniert so nicht, das blockiert. Im Moment stehe ich in der Schule zwischen 2 und 3, also nichts wirklich schlechtes, aber für das Wunderkind reicht es nicht. Aber das ist mir relativ egal und für den Moment wäre es besser, wenn ihr das alle auch versucht so zu sehen. Hohe Intelligenz spiegelt sich nicht immer in guten Noten wieder. Das hat nichts damit zu tun, seine Intelligenz nicht zu nutzen – gut, vielleicht schon und ich bin tatsächlich so faul, wie ich denke. Aber das führt glaub ich zu weit. 😀

      So. Ich habe jetzt irgendwas geschrieben, was hoffentlich intelligent und hilfreich ist. Ansonsten setze ich mich nochmal mit meiner Mutter zusammen, die im Gegensatz zu mir zumindest mal ein autistisches Kind großgezogen hat. 😀 Und dann melde ich mich nochmal zurück. Was ich auf jeden Fall empfehlen möchte, ist dass ihr euch einen Psychologen sucht, wenn ihr das nicht schon getan habt. Denn sobald es an die Grenzen der Depression geht, sollte da möglichst schnell gegengesteuert werden. Ich mag dir keine Horrorvorstellungen machen, aber wenn so eine Depression mal da ist, dann können auch Eltern nicht mehr viel anrichten, dann muss da professionelle Hilfe her.

      So, ich hoffe wirklich, dass das ein Anfang gewesen ist. Ich wünsche euch beiden auf jeden Fall fürs Erste alles Gute.

      • Sonja schreibt:

        Hallo! Ich danke dir, dass du mir trotz deines angekündigten Zeitmangels so schnell und so ausführlich geantwortet hast. Die Idee mit dem Psychologen ist uns natürlich auch gekommen. Ich bin überzeugt, dass mein Kind eine Therapie braucht, um seine Selbstwahrnehmung und sein Selbstbildnis zu korrigieren von grottenschlecht zu positiv. Das Problem an der Sache ist: Er war das erste Mal bei der Kinderpsychiaterin mit 4 Jahren, hat etliche Diagnostik, Einzel-/Gruppentherapie, 3 Jahre Therapie im Autismuszentrum, 3 Jahre Integrationshilfe und zig Gespräche in Kindergarten und Schule hinter sich. Er ist einfach übertherapiert, hat irgendwann angefangen, alles zu boykottieren und alles negativ zu sehen. Wir haben als Eltern immer versucht, das ernst zu nehmen und irgendwann kam ein Punkt, da hat sich einfach nichts mehr bewegt, die Therapien haben nur noch Gegenwehr erzeugt. Und dann hat es einfach nichts mehr gebracht. Wir haben nach und nach die ganzen Maßnahmen eingestellt. Wir haben auch immer wieder versucht, ihm klar zu machen, dass sein AS nicht nur Fluch, sondern auch Segen bedeutet. Er hat ein irre gutes Gedächtnis, lernt mit minimalem Aufwand z.B. Sprachen, ist gut in Naturwissenschaften, hat einen tollen Blick für Details und ist superehrlich und zuverlässig… Und trotzdem kann er sich nicht positiv sehen. Es ist ziemlich schwer….. Wie gehen deine Lehrer mit der Diagnose um? Fühlst du dich von manchen gemobbt? Nehmen alle Rücksicht? Behandeln sie dich normal? Oder hast du das Gefühl, du bist ihnen „lästig“ oder unangenehm? Haben sie keine wirkliche Lust, sich auf deine Besonderheiten einzustellen? Wir haben da ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht und beobachten das Ganze immer etwas angespannt….
        Leistungstechnisch setzen wir ihn nicht unter Druck, das macht er eher selbst. Paradoxerweise ist er einerseits sehr perfektionistisch, aber andererseits total faul. Er hätte gerne überall Einsen, ist aber nicht bereit, mehr als nötig für die Schule zu arbeiten. Glücklicherweise fällt ihm Vieles zu ohne viel Aufwand, sonst sähe es wahrscheinlich düster aus notentechnisch. Für uns muss er keine Höchstleistungen bringen, nicht überall Klassenbester sein, sondern einfach nur zufrieden und glücklich.
        Ich hoffe sehr, dass du recht hast und er mit zunehmendem Alter besser mit sich selbst klar kommt und lernt, sich so anzunehmen, wie er ist.
        Alles Gute dir und danke für deine Antwort und dafür, dass du uns ein Stück weit durch deine Augen sehen lässt. Das ist sehr aufschlussreich und hilft uns, viele Dinge zu verstehen, die wir sonst nicht verstehen würden als NTs.
        Liebe Grüße!
        Sonja

      • dassiliel schreibt:

        Ich denke, dann hat es die Therapie ein Stück weit „kaputtgemacht“, so wie ich das sehe. Könnt ihr nichts für, kann niemand was für, wusstet ihr ja nicht besser. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass das auf ein Kind den Eindruck machen kann, es müsse „repariert werden“, es sei halt so nicht „richtig“. Die Frage ist jetzt, wie man den Eindruck beheben kann, aber ich glaube, darauf kann ich dir keine Antwort geben. Und wenn ich ehrlich sein soll, dann ist das auch nicht mehr ganz meine aufgabe, da muss dann wieder jemand ran, der mehr Ahnung hat als ich.
        Das mit der Hochbegabung kenn ich aber auch, denn in etwa das habe ich auch gehabt. Es ist einerseits das Wissen, dass man die Dinge einfach kann und nicht großartig arbeiten muss, andererseits weiß man da aber auch, dass man arbeiten müsste, um die eins zu kriegen, die man natürlich locker kriegen könnte. Man kann jetzt den einen Weg (Faul) oder den anderen Weg (Arbeiten) gehen, das entscheidet sich dann irgendwann. Ich bin faul geworden, sag ich ganz offen und andere Hochbegabte, die ich kenne, sind auch faul geworden. Bisher hat sich das noch nicht gerächt – irgendwann versucht man in der Schule nicht mehr, so viel wie möglich zu lernen, sondern mit so wenig Aufwand wie möglich durchzukommen, der Effizienz wegen. Habe ich erwähnt, dass ich faul bin? 😀 Wie man das Problem akut lösen kann, weiß ich auch nicht so genau. Wenn bei euch gerade Elternsprechtag ist, würde ich vielleicht mal mit dem Klassenlehrer das Problem ansprechen oder mit den entsprechenden Fachlehrern, dass die deinem Sohn auch das Gefühl geben, dass es schon so in Ordnung ist. Auch wenn natürlich jeder weiß, dass er mehr kann. Aber wenn sich da eine Depression im Anflug ist, dann kann man nicht auf Leistung pochen. Das führt zu nichts.
        Meine Lehrer sind da glaub ich sehr verständnisvoll, soweit ich das mitbekommen habe. Da wird dann auch, auch wegen des Nachteilsausgleichs, entsprechend Rücksicht genommen, aber ich habe teilweise das Gefühl, dass es sich damit erledigt hat. Meine Mitschüler wissen vom Autismus nichts, sollen sie auch gar nicht, und die reden hinter meinem Rücken, das weiß ich. Und solange es nur bei schlechten Worten bleibt, soll mir das ehrlich gesagt egal sein. Bei denen ist sowieso alles verloren, die lernen Toleranz jetzt auch nicht mehr. Und in zwei Jahren kann ich denen gepflegt in den Hintern treten.
        Ich weiß, dass ich schwierig bin. Und ich weiß auch, dass ich auch gerne mal nervig sein kann, Leuten auf die Nerven gehe, weiß ich alles, muss ich auch hinnehmen, weil ich es selbst nicht ganz unter Kontrolle habe. Aber dann sage ich auch, dass mir das die Leute sagen müssen und dass das dann nicht mehr in meiner Hand liegt. wenn ich die Leute nerven, sollen sie das sagen. Punkt.
        Teilweise haben Leute keinen Bock, sich darauf einzustellen, dass ich eben nervig sein kann. Aber dann habe ich wiederum keinen Bock, mich mit denen abzugeben. So einfach ist das – warum sich Stress machen?

        Ich kann es nur nochmal sagen, ich habe viel Zeit gebraucht, um zu der Einstellung zu kommen, ich glaube auch, dass ich wirklich durch die Hölle gehen musste und dass es sich deswegen gelohnt hat. Ich kann und will deinen Sohn nicht dazu zwingen, dasselbe zu erleben wie ich, denn das verdient keiner, aber ich hoffe, dass er auch zu der Einstellung kommt. Mit zwölf ist er noch nicht soweit, ganz klar, das musst du auch sehen. Aber ihn auf den richtigen Weg bringen, das könnt ihr mit Sicherheit, ich hab nur keine Ahnung wie. Das ist letztendlich auch bei jedem Menschen anders.

        Aber zumindest bin ich froh, dass ich euch etwas weiterhelfen kann. 😀 Du darfst auch gerne Vorschläge machen, worüber ich schreiben könnte, was du noch verstehen willst. Dann versuche ich mich daran.

    • mellissandra schreibt:

      Sonja Hein wenn du einen facebook account hast, es gibt dort ziemlich viele gruppen zb das Elternforum Autismus (nur ein beispiel) in denen auch erwachsene Autisten mitschreiben, die wiederum selbst Mütter von autistischen oder nicht autistischen Kindern sind.

  4. Anita schreibt:

    Hallo Sonja,

    als Mutter von 4 Kindern (davon 3 diagnostizierte Autisten mit zT. HB) kann ich Dir sagen, dass ein Teil der Probleme aus der Pubertät kommen und ein Teil der Probleme die Du beschreibst aus dem ewigen Anderssein resultieren.

    Vielleicht ergibt sich für Euch die Möglichkeit, dass er sich in einem Forum anmeldet, und er darüber erkennt, dass er nicht alleine ist mit diesen Problemen. Das andere genauso sind und das es durchaus vollkommen in Ordnung so ist, wie es ist!

    Mobbing und ein Zuviel an Therapie bzw. Terminen machen vieles kaputt und es bedarf einer 1.000fachen Überschreibung mit guten Erlebnissen. Ein einziges schlechtes Erlebnis kann aber viel wieder zerstören.

    Um zu der von Siliel geschilderten Auffassung und Selbstbewusstsein zu gelangen ist oft ein harter Weg nötig. Dieser Weg ist schmerzhaft und unbedingt zu vermeiden, wenn es irgend möglich ist.

    Ich wünsche Euch, dass Dein Sohn irgendwann die Möglichkeit der Therapie wieder für sich zulassen kann. Und dass er dann jemanden trifft, der ihn als erstes so annimmt, wie er ist und im Vordergrund Gespräche ohne Wertung führen kann.

    LG Anita

    • Sonja schreibt:

      Hallo Anita!
      Vielen Dank für dein Posting. Es tut gut, zu merken, dass es Leute gibt da draußen, die sich interessieren. Auch wenn ihr alle weit weg seid, so habt ihr doch in etwa ähnliche Probleme wie wir. Mit Verwandten / Bekannten darüber zur reden, ist auch schön und gut, aber die können die Probleme einfach nicht nachvollziehen!
      Du mit 3 (!!!) AS-Kindern hast ja wirklich reichlich Erfahrung. Wie alt sind deine Kinder? Ich habe noch einen 5 Jahre jüngeren Sohn und finde die Interaktionen zwischen den beiden schon ziemlich anstrengend und kompliziert. Der Kleine liebt seinen großen Bruder zwar über alles, aber es „knallt“ trotzdem sehr oft, weil es oft Missverständnisse gibt und sie nicht wirklich zusammen spielen können. Beim gemeinsamen Toben haben die beiden zwar oft viel Spaß, aber es wird dann auch schnell wieder zu wild und heftig, weil der Große immer noch nicht so gut einschätzen kann, wann es zu viel ist…. Bei 4 Kindern gibt es bestimmt noch viel mehr Stress untereinander, oder?? Wie bewahrst du dir die Nerven? Wie überstehst du Dinge wie Familienfeiern, Urlaub….??
      Es ist tatsächlich so, wie du schreibst, dass mein Sohn dieses „Anderssein“ nicht erträgt, dieses Gefühl, nicht richtig zu sein. Das hat er meines Erachtens auch schon sehr früh gemerkt, schon im Kindergarten. Er war natürlich auch sehr auffällig und hat dementsprechend viel Ärger und Unverständnis geerntet, weil ja da noch niemand wußte, was mit ihm los ist. Die jahrelangen negativen Rückmeldungen haben ihn natürlich stark geprägt. Hätte ich damals schon gewußt, was ich heute weiß, hätte ich ihn aus dem Kiga genommen, aber ich dachte natürlich, er muss jetzt die Dinge lernen, damit es in der Schule klappt.
      Ich habe ihm schon öfter angeboten, über das Internet andere Jugendliche mit AS zu kontaktieren, also ein Forum sich zu suchen, aber bisher erfolglos. Was er braucht, ist ein Forum oder eine Seite wie diese, damit er sieht, dass AS nicht das Ende der Welt ist und dass Autisten nicht automatisch vor sich hin wippende, geistig minderbemittelte „Behinderte“ sind, sondern ganz normale Menschen (wie er ja auch)!! Nur halt mit einigen speziellen Eigenarten und Bedürfnissen.
      Ich bedränge ihn natürlich nicht und zwinge ihm irgendwelche Maßnahmen auf, aber ich streue hier und da ganz nebenbei mal etwas ein (Ich habe da eine gute Seite gefunden im Internet./ Ich habe letztens einen guten Bericht im Fernsehen gesehen…) Ich versuche ihm zu vermitteln, dass Autismus was „Normales“ ist, was nicht tot geschwiegen werden muss oder versteckt. Es gibt halt Autisten, manche Menschen sind eben Autisten und andere nicht. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger. Ich hoffe sehr, dass er sich irgendwann darauf einlassen kann. Ich bin überzeugt, dass es ihm dann besser gehen wird. Ich finde, Siliel geht super mit ihrem AS um und kann so super zum Vorbild werden für alle Jugendlichen mit der gleichen Diagnose und den gleichen Problemen, mutig und selbstbewußt zu sein und sich nicht zwanghaft selbst klein und minderwertig zu machen. Ich bin froh, diese Seite gefunden zu haben. Ich habe ziemlich lange gesucht….. Und alle möglichen Seiten schon gelesen, aber diese hier ist doch besonders!!!
      Liebe Grüße!
      Sonja

  5. Anita schreibt:

    Hallo Sonja,

    wenn Du magst, kann Siliel einen Kontakt per Mail vermitteln, sonst „sprengen“ wir hier noch den Blog. 😉

    LG Anita

    • dassiliel schreibt:

      Also ich find das persönlich gant interessant 😉 Weil ich ja so auch erfahre, wozu ich vielleicht noch was schreiben könnte und wo noch Bedarf nach Erklärung besteht. Aber wenn ihr möchtet, kann ich auch gern Mailkontakt vermitteln, nur dem Rahmen sprengen tut ihr nicht, finde ich. 🙂

  6. Anita schreibt:

    Hallo Siliel,

    danke für Dein OK und das Angebot.

    Hallo Sonja,

    tja, die Kinder sind 16, 15, 11 und 6. Die Diagnose bekam unser Ältester erst mit 13,5 Jahren. Der Kleine mit knapp 6 und die Große vor zwei Wochen. Die Kleine fällt auch ins Spektrum, Diagnostik läuft noch.

    Die Erkenntnis „anders“ zu sein traf immer nur im Außenbereich zu. Hier, bei uns, waren und sind wir uns alle zu ähnlich (obwohl verschieden) als dass es für uns als Familie wichtig gewesen wäre. Durch starkes Mobbing, dass immer wieder aufflackert bei allen Kindern, waren wir gezwungen die Diagnostik (irgendeine damals) anzustreben. Die folgenden Dinge waren schwierig und kaum auszuhalten. Klinikaufenthalt und Psychiater waren sehr anstrengend, zum Teil auch einfach nur nicht auszuhalten. Mittlerweile haben wir nach Arztwechsel eine sehr gute Anlaufstelle und auch eine Therapie die die ganze Familie mit einschließt. Diese schon, bevor die Diagnosen sich „häuften“. Nur darüber, dass die ganze Familie ein Coaching erhält, war überhaupt eine Therapie möglich. Und auch die Diagnostik der anderen Kinder.

    Eine gute Therapie und eine funktionierende Schulbegleitung hört in erster Linie zu und greift nach und nach Dinge auf und es werden dann Gespräche geführt, die die Sichtweisen anderer erläutert.

    Um Hilfe zu bitten, war und ist eine schwierige Sache.
    Sich zu outen ist nicht einfach.
    Andere Menschen in sein innerstes schauen zu lassen, fällt schwer.

    Dazu dann die Pubertät, das „chinesisch“ der Mitschüler nimmt im gleichen Maße zu. Und diese sind geschickt, die „Fehler“ des Gegenüber zu erkennen und zu nutzen oder auszunutzen. Sehr oft steht man als Eltern nur daneben und kann nur zuschauen und zuhören.

    Für alle Hilfsmöglichkeiten als Eltern fordere ich das OK meiner Kinder ein. Mittlerweile! 😉 Denn die Kinder sind durch die Therapie mittlerweile so gestärkt, ihren Hilfebedarf zu erkennen und auch auszusprechen.

    DAS ist für meine Begriffe das wichtigste.

    Und immer da zu sein.

    Das ist anstrengend, zeitraubend, nervenaufreibend und mit vielen Terminen verbunden.

    Aber gerade Lehrer müssen immer mal wieder daran erinnert werden, dass man nicht einfach einen Schalter umlegen kann, damit es besser läuft.

    Mein „gefürchtester“ Satz ist:

    „dass musst Du doch verstehen, du bist doch so intelligent. nutze deinen Verstand“

    denn es ist mal gar nicht so einfach, wenn man mitten in einer Blockade hängt und die Blockade selber noch nicht mal artikulieren kann.

    So kann in sprachlichen Fächern ein Text über Mobbing dazu führen, dass hier wochenlang nichts mehr geht. Weil der Text triggert. Und für mein Gefühl fehlt oft das Grundsätzliche, dass die anderen Schüler strikt darüber informiert werden, was Mobbing anrichtet und das dies unbedingt abgestellt gehört.

    Der Schüler (also meine Kinder) ist hier aber das verkehrte „Anschauungsmaterial“. Dazu sind sie zu nah dran an der Thematik!

    Und was als Faulheit ausgelegt wird/werden kann, ist nicht immer nur reine Faulheit. Es ist auch oft Erschöpfung vom Schultag und durch die „gezwungenen“ sozialen Kontakte. Ein zu Viel von allem. Runterfahren mit den selbstgewählten Strategien ist sehr wichtig.

    Das miteinander der Kinder ist gut. Wenn auch nicht Konfliktfrei. Dazu ist der Altersunterschied und die verschiedenen Interessen ein nicht zu verachtender Faktor. 😉

    LG Anita

  7. Anita schreibt:

    Ach so, Deine Frage zu Familienfeiern oder Urlaub ……..

    Familienfeiern sind auf ein Minimum reduziert. Weil es nicht nur den Kindern, sondern auch mir nicht gut tut. Wenn doch, dann werden im Vorfeld klare Regeln besprochen und danach steht Entspannung an.

    Gerade Familienfeiern bergen nämlich den nicht zu verachtenden Faktor, dass „irgendeiner“ mit der Diagnose nicht umgehen kann, unser aller Reaktionen nicht nachvollziehen kann und dummes Zeug von sich gibt. Dieses nicht „umgehen können“ kann von der Leugnung bis zum kleinreden alles umfassen. Auch „AllerWelts“-Kommentare wie:
    -Du musst doch nur
    -das ist doch alles nicht so schlimm
    -mach doch mal
    usw. usf.
    führen oft in Blockade und Überforderung.

    Urlaub geht nur mit Planung. Wirklich guter Planung. Es bleiben dann immer noch genügend Unwägbarkeiten. Eigentlich bräuchte man nach einem Urlaub, frei, damit alle wieder runterkommen können. 😉

    • Sonja schreibt:

      Hallo Anita!
      Ich finde es bewundernswert, dass du mit so viel Power und guten Nerven an die Sache ran gehst. Ich habe einen 12 jährigen AS-Jungen und einen sehr quirligen, aber „normalen“ 7 jährigen Jungen und habe schon ein Burnout und schwere Depressionen hinter mir inklusive Klinikaufenthalt und Therapie.
      Bei uns haben wir die letzten 1 1/2 Jahre das so geregelt, dass wir mit den Kindern getrennt in den Urlaub fahren, weil es nur Stress und Zoff gibt. Was dem Kleinen gut tut und Spaß macht, ist für den Großen der Horror: Strand zu sandig, Wasser im Meer zu salzig, Sonne zu heiß, Sonnencreme zu unangenehm………. Und umgekehrt ist für den Kleinen eine Städtetour zu anstrengend und langweilig. Also sind wir mit dem Kleinen zur See gefahren, richtig Strand- und Buddelurlaub, war herrlich und total entspannend! Und als Ausgleich sind wir mit dem Großen nach London geflogen zum Sightseeing. Das Undergroundsystem hatte er in kürzester Zeit durchschaut und kam super klar. Hat natürlich beim Ubahnfahren oder Warten am Bahnhof meistens Stöpsel mit Musik in den Ohren gehabt, weil es ja doch sehr trubelig und hektisch ist in dieser Stadt. War aber für ihn ein sehr interessanter und toller Urlaub. Nur zusammen, wie „man“ das eben so macht als Familie, funktioniert es bei uns einfach nicht.
      Mobbing hat unser Sohn glücklicherweise in so extremer Form nicht erfahren müssen. Es gab hier und da mal kurze Episoden, wo andere Kinder versucht haben, ihn auszunutzen oder auch als Sündenbock zu mißbrauchen für einfach alles, weil er ja der ist, der “ nicht ganz normal“ ist, aber in der Grundschule hatte er eine super I-Hilfe, die ihn da gut schützen und auch als Zeugin fungieren konnte. Jetzt am Gymnasium ist er sicher nicht der beliebteste Mitschüler, aber er ist immerhin nicht ganz allein. Zwischendurch gibt es kleine Reibereien, aber ich muss sagen, dass die Mitschüler ein kleineres Problem sind als einige Lehrer. Letztens im Sportunterricht hat seine Lehrerin ihn angemotzt, weil er beim Basketballspiel hinten „so dumm rumsteht“. Dem vorangegangen ist, dass seine Mannschaft ihm gesagt hatte, er solle sich hinten an den Korb stellen „zum Verteidigen“. (Er hat nicht so das Mannschaftsverständnis und das merken die natürlich auch.) Das hat er natürlich überhaupt nicht verstanden, weil er ja nur gemacht hat, was er machen sollte laut Mannschaft! Die Lehrerin versteht leider nicht, dass das so nicht funktioniert, dass sie ihm schon sehr konkret sagen muss, was jetzt seine Aufgabe ist. Der Klassenlehrer hat sich bei uns beschwert, weil unser Bursche den stellvertretenden Direx mit verstellter Stimme zurückgegrüßt hat!!! Wissen die eigentlich, wie lange es gedauert hat, ihn dazu zu bringen, dass er überhaupt jemanden grüßt??????? Der Lateinlehrer ist schon mal ausgerastet, weil er nicht aufhören konnte zu lachen, als irgendjemand in der Klasse Mist gemacht hat, hat ihn als krank beschimpft und dass er in die Anstalt gehört und Tabletten braucht. Und ein Idiot ist, wie er ihn in 20 Dienstjahren noch nicht erlebt hat (Er hatte bis dahin ausschließlich Einsen geschrieben wohlgemerkt!!!) Mit dem Lateinlehrer haben wir das schnellstens geklärt, er hat sich persönlich entschuldigt und zugegeben, dass er da ausgeflippt ist, weil er sich nicht ernst genommen gefühlt hat. Am schlimmsten ist die Erdkundelehrerin, bei der er inzwischen total blockiert ist und alles verweigert. Das hat bisher noch keiner geschafft!! Die will einfach nicht kapieren, dass er kein Referat vorbereiten kann alleine (als Einziger, alle anderen dürfen in Gruppen arbeiten!!), wenn sie ihm nur ein großes Thema hinschmeißt. Er sitzt dann im Unterricht, weiß überhaupt nicht, wo er anfangen soll und sie macht gar nichts, läßt ihn da einfach sitzen. Ich habe sie schriftlich gebeten, ihm konkrete Unterpunkte aufzuschreiben und präzise Aufgabenstellungen zu formulieren, damit er seine Gedanken sortieren kann, sonst kann er das nicht bewältigen. Bisher wollte er am Gym keinen Nachteilsausgleich haben, aber die letzten Vorkommnisse haben mir einfach gezeigt, dass ich da für Gerechtigkeit kämpfen muss. Schließlich hat er ein Recht darauf, dass ihm durch sein AS keine Nachteile entstehen.
      Im Oktober waren wir zu einem Gespräch in der Schule, wo es dann hieß, er solle bitte schön möglichst schnell wieder eine I-Hilfe bekommen, weil die Lehrer „mit ihrem pädagogischen Latein am Ende“ seien!!! Er war jetzt über 2 Jahre ohne Hilfe an der Schule und es hat super geklappt, er hat sich endlich mal ein bißchen „normal“ gefühlt. Jetzt gab es ganze 2 (!!!) Wochen Streß und die Lehrer wissen nicht mehr weiter?????? Es sind noch nicht mal gravierende Sachen passiert, er ist nicht aggressiv geworden, es ging nicht um Handgreiflichkeiten o.ä., sondern um einige Unterrichtsstörungen!!!! Da wurde uns quasi die Pistole auf die Brust gesetzt: entweder I-Hilfe oder vielleicht ein Schulwechsel: „Ich habe gehört, das …..Gym hat jetzt mit Inklusion angefangen.“ Da soll bitte schön mal sofort jemand anderes sich um das „Problem“ kümmern, das unser Kind ist!!!! Du siehst, ich bin im Moment ziemlich frustriert und schreibe und schreibe….. Erst mal habe ich nach diesem sch….Gespräch einen ganzen Nachmittag geheult. Aber am nächsten Tag habe ich alles mobilisiert, was mir eingefallen ist: Schulministerium, Bezirksregierung (Autismusbeauftragte), Beratungslehrerin für autistische Kinder und sogar dass Jugendamt (die Sachbearbeiterin, die seinerzeit für die Finanzierung der I-Hilfe zuständig war). Am schockierendsten war für mich, dass in dem Gespräch eigentlich gar keine Hilfe oder Vorschläge unsererseits erwünscht waren. Wir haben mehrere Vorschläge zur Krisenbewältigung gemacht, wie z.B. Beratungslehrerin hinzuziehen, Verhaltenstagebuch führen, evtl. sogar Wechsel in andere Lerngruppe. Aber darauf wurde gar nicht eingegangen. Die Autismusbeauftragte der BR ist sehr daran interessiert, wie die Schule sich weiter verhält. Verweigert sie die Beratung, wird der entsprechende Dezernent darauf angesetzt. Im Moment sind wir dabei, ein Beratungsgespräch zu forcieren, da der Bedarf nur allzu deutlich ist, aber es ist ein ziemlich zähes Unterfangen….
      Zu deiner Familie noch mal: Seid ihr als Eltern auch betroffen von ASS? Ich habe für mich schon so einige Parallelen entdeckt, mein Mann auch, ohne dass wir je eine Diagnose bekommen haben oder auch nur annähernd so große Probleme hatten wie unser Kind. Aber einige Sachen passen auch bei uns sehr gut.
      Liebe Grüße!
      Sonja

  8. Anita schreibt:

    Hallo Sonja,

    oh mann. Versuch bei der Bezirksregierung den Ansprechpartner für sonderpädagogischen Förderbedarf herauszufinden, auch den für Begabtenförderung! Mach denen Dampf!

    Was sich da die Lehrer in Gesamtheit leisten geht gar nicht!

    Es gibt ja auch Autismusbeauftragte für den Schulbezirk. Nicht nur für den Reg.-Bez.

    Ein I-Helfer würde nach Vorstellung der Lehrer ja hier auch Aufgaben übernehmen, die nicht in sein Arbeitsprofil gehören!!

    Meine Jungs gehen beide mit Schulbegleiter. Diese vermitteln zwar zwischen Schüler und Lehrer, aber in der Hauptsache sind sie für die Übersetzung NT Autist zuständig.

    Du musst gut aufpassen und Dich wehren, dass Dein Sohn hier nicht einen längeren Aufenthalt zu Hause verpasst bekommt. Der Große war 16 Monate nicht in der Schule. Der Druck wurde (damals aus Unwissenheit) derartig erhöht, dass die Schulfähigkeit gefährdet wurde.

    Kennst Du einen Arzt oder eine Stiftung oder einen Therapeuten oder ein ATZ, was zur Aufklärung der unterrichtenden Lehrer in die Schule kommen kann?

    Und Du wirst mit Deinem Sohn sprechen müssen, dass die Lehrer über einen Nachteilsausgleich erst merken, wo Probleme sein können.

    Den Luxus von allein gemachter Gruppenarbeit fände ich persönlich schon. Haben wir nicht. Alle Kinder kämpfen sich durch unstrukturierte Gruppen und nicht klare Arbeitsanweisungen.

    Hier bin ich dann gefragt. Ich kämpfe mich mit den Kindern durch den Lernstoff, gebe Anregungen, wie man was anders machen kann, was wichtig ist, was nicht dabei gehört und und und ………….

    Den Lehrern muss dringend bewusst gemacht werden, dass „komische“ Ansagen/Aussagen/Stimmlage KEIN Angriff auf ihre Person sind. Auch ein Lachflash gehört dazu.

    Du musst ein Gespräch nicht forcieren, sondern schriftlich per Mail mit großen Verteiler einfordern. Entweder es bewegt sich was, oder diese Schule will es sowieso nicht. Ist so, auch wenn es keinen Spaß macht!

    Gut und hervorzuheben ist, wie sehr Dein Sohn auf sozialer Ebene zurecht kommt. Den Rest sollten die Lehrer händeln können. Das ist ihr Auftrag. Und Dein Sohn ist ja schließlich schon „problemlos“ 2 Jahre dort zur Schule gegangen.

    Ja, wir Eltern sind auch betroffen. Nicht schriftlich fixiert, aber wir können es nicht verleugnen.

    Und Du brauchst Hilfe für diesen Kampf. Auch als NT’ler gerät man hier an Grenzen des Bürokratismus!

    Viel Kraft und viel Wille
    Anita

  9. Sonja schreibt:

    Hallo Anita!
    Danke für deine informative und hilfreiche Mail. Der Wille ist definitiv da, auch die entsprechenden Leute, die uns unterstützen, also ATZ ( N. hat hier 3 Jahre Therapie bekommen), der therapeutische Leiter würde auch auf jeden Fall noch mal in diese Schule kommen, war er schon mal zu Beginn, aber der Einladung zu diesem informativen Gespräch für die Fachlehrer ist gerade mal die Kunstlehrerin gefolgt!!!! Die anderen hatten die Weisheit scheinbar schon mit Löffeln gefressen oder schlicht und ergreifend keinen Bock!!!! Beratungslehrerin für den Schulbezirk ist auch mit im Boot, mit ihr habe ich regen Mail- und Telefonkontakt, ist sehr engagiert und fähig!! Jugendamtmitarbeiterin ist auch auf unserer Seite, kann sehr gut mit den Lehrern verhandeln (weiß ich von den Hilfeplangesprächen in der Grundschule). Autismusbeauftragte der BR ist auch ziemlich entsetzt und wartet auf Rückmeldung, sollten die Lehrer sich gegen Beratung sperren. Du siehst, ich gebe alles, ziehe alle Register, um meinem Kind zu helfen.
    Die Sache mit der I-Hilfe wäre für mich persönlich eigentlich sogar eine Erleichterung. Ich würde mir weniger Sorgen machen, wenn ich auf die Uhr sehe und weiß, dass jetzt wieder Lehrer xy auf mein Kind losgelassen wird. Aber die Zeit ist für ihn einfach vorbei. Im letzten Schuljahr der Grundschule hat er dermaßen angefangen, dagegen zu rebellieren, dass durch ihre bloße Anwesenheit das Verhalten eher schlechter als besser wurde. Er hat einfach alles gegeben, um sie zu vergraulen. Kann ich auch verstehen, dass er keinen „Babysitter“ (aus seiner Sicht war das so) mehr neben sich haben wollte. Dann kam der Zufall zu Hilfe. Die I-Hilfe ist plötzlich die letzten 3 Monate vor dem Schulwechsel ausgefallen, war wegen einer schweren Rückengeschichte sehr lange krank. Und überraschenderweise funktionierte es inzwischen auch ohne sie ziemlich gut und N. ist richtig aufgeblüht, hat seine neue „Freiheit“ sichtlich genossen, so dass wir dann auf seinen Wunsch eingegangen sind, versuchsweise die Hilfe wegzulassen, damit er an der neuen Schule ganz neu und ganz „normal“ anfangen kann und nicht sofort den Stempel drauf hat. Wir hatten natürlich anfangs ziemliche Bedenken, ob das klappt, aber zum Glück hat es funktioniert.
    Für mich war die I-Hilfe oftmals auch ein guter Zeuge, wenn wieder mal irgendwelche Behauptungen im Raum standen, N. hätte dies oder jenes gemacht. Sie konnte dann halt sagen, wenn er zu Unrecht beschuldigt wurde und ihn so beschützen. Im Übrigen hat er ja auch immer gesagt, WENN er was angestellt hatte!! Aber er hat den Absprung jetzt geschafft, ist ein ganzes Stück selbständiger und unabhängiger geworden und das ihm jetzt wieder wegzunehmen, nur weil Lehrer nicht in der Lage sind oder keinen Nerv haben, sich ein klitzekleines Stück von ihrem eingefahrenen Standpunkt wegzubewegen, sehe ich nicht ein und wäre für N. auch denkbar frustrierend.
    Du schreibst, dass dein Sohn über ein Jahr nicht beschult werden konnte. Darf ich fragen, welche Probleme so gravierend waren, in welchem Alter diese Phase stattgefunden hat , auf welche Schulform er geht und wie du das wieder in die richtigen Bahnen gekriegt hast? Ist er in dieser Zeit zuhause unterrichtet worden? Was habt ihr in dieser Zeit gemacht? War es für ihn schön (endlich keine sch… Schule mehr) oder eher deprimierend( warum dürfen alle, nur ich nicht?)? Fragen über Fragen…. Wenn du irgendwas lieber nicht hier erzählen möchtest, ist das natürlich okay.
    HALLO SILIEL! Wenn dir der Dialog hier doch inzwischen zu weit abdriftet, kannst du das natürlich immer noch sagen! 🙂 Dann könnten Anita und ich uns auf privater Mailebene begegnen. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja Mitleser, die die gleichen Hürden zu bewältigen haben und gerne mitverfolgen, was hier so geschrieben wird.
    Liebe Grüße!
    Sonja

  10. Anita schreibt:

    Hallo Sonja,

    alle drei Großen sind auf einem Gymnasium. Durch fortdauerndes Mobbing (an einer Schule sogar durch Lehrer gestützt) und den Vorwürfen aufgrund von Mis(T)verständnissen in der Kommunikation war es nicht mehr möglich, ihn sorgenfrei in die Schule zu schicken. Dann kam die Diagnose. Und vor lauter Unwissenheit, stimmte ich zu, es klinisch betrachten zu lassen.

    Hausunterricht folgte, wurde aber nur für 3 Monate bewilligt.

    Eine Schule zu finden war eine Sysiphusarbeit! Und es ging nur mit massivem Willen und einer gehörigen Portion Sturkopf.

    Er fühlte sich bestraft und gestraft. Ihm fehlte jegliche Struktur und jeglicher Antrieb. Und an den Folgen „knabbern“ wir heute noch.

    Ein Rektor kann übrigens aus der Aufklärung eine verpflichtende Sache für die unterrichtenden Lehrer machen!

    Ein Rektor hat auch eine Fürsorgepflicht! Und Dein Sohn hat bewiesen, was er alles kann!! Und im Sinne des GemeinsamenUnterrichtes (GU) und der Inklusion und der bereits 2jährigen Schulangehörigkeit MUSS er agieren!

    Es gibt übrigens einige Schüler bundesweit, die mit eben solchen Problemen zu kämpfen haben, quer durch alle Schulformen.

    LG Anita

  11. Sonja schreibt:

    Hallo!
    Gestern hatte ich meinem Sohn eine Mitteilung für die Erdkundelehrerin ins Heft geschrieben, dass sie ihm bitte schön für das Referat nicht ein Riesenthema geben soll, sondern einzelne Fragen/Unterpunkte, damit er das alles irgendwie strukturieren kann. Da hat sie sich dann wohl beleidigt gefühlt und ihm gesagt, sie hätte ihm doch wohl genau genug erklärt, was er machen sollte. In der Tat hat sie N. ein paar kopierte Blätter von Wikipedia gegeben mit irgendwelchen Klimadiagrammen, die er wohl abmalen sollte. Er hat ihr daraufhin gesagt, dass er da nichts erkennen kann. Sie dann: Das kann man ja wohl erkennen! Ich habe mir jetzt mal die Kopien angeschaut und finde, es ist eine bodenlose Frechheit! Man erkennt zwar, dass da Diagramme drauf sind und auch die Überschriften kann man noch lesen, aber die Legenden für die Diagramme und die dargestellten Parameter sind nicht mal mit der Lupe zu erkennen! Wir schreiben jetzt einen Beschwerdebrief an den Schulleiter, weil das eindeutig Schikane ( man könnte es auch Mobbing nennen) ist. Eine schriftliche Antwort auf meinen Eintrag ins Heft habe ich nicht bekommen, aber scheinbar hat sie sich beim Klassenlehrer ausgeheult über die lästige Mutter von diesem schrecklichen Kind. Eine Stunde nach der Erdkundestunde kam nämlich eine Mail von ihm mit einer „Einladung“ zu einem Beratungsgespräch am 21.11. ! Ich hatte ihn schon vor den Ferien mehrfach gebeten, einen Termin mit der Beratungslehrerin für Autismus (BL) abzusprechen, aber das macht er einfach nicht. Ich glaube, er will das einfach nicht, weil die Chance, uns mürbe zu machen, viel größer ist, wenn wir allein kommen. Ich habe ihm zurückgeschrieben, dass mein Mann und ich an dem Tag beide zu dieser Zeit nicht so spontan können, weil das nun etwas SEHR kurzfristig ist und dass er BITTE doch die BL anrufen soll zwecks Termin, aber darauf kam nur eine kurze Mail, dass ich ihn am 21. anrufen soll. Was soll ich jetzt davon halten? Von BL hat er gar nichts geschrieben, darauf geht er gar nicht ein! Ich habe ihr dafür direkt den Dialog weitergeleitet mit der Bitte, dass sie ihn anruft. Wenn er meinen Anruf erwartet, wird er wohl ans Telefon gehen und dann muss er sich endlich mit der Frau auseinander setzen! Was glaubt er eigentlich, was sie will? Was sie ihm antut? Sie ist schließlich als HILFE da, zur BERATUNG! Sie will ihn gar nicht fressen. Wird ihn vermutlich sehr verwundern!!!! Entschuldigung, wenn ich hier ein bißchen zynisch klinge, aber es k…… mich mittlerweile so dermaßen an, immer zu kämpfen, Hilfe aufzuzwingen, die zwar nicht erwünscht, aber dringend notwendig ist und immer wieder vor die Wand zu laufen. Mein Kind ist schließlich lein Monster und kein Terrorist, sondern einfach ein bißchen anders als andere. Passt nicht ins gewohnte Schema! Na und? Als ob alle anderen Kinder immer alles nach Vorschrift machen!!!!! Im Gegenteil: N. macht viel eher alles nach Vorschrift, vorausgesetzt, diese ist klar und exakt formuliert!! Ist halt auch eine Frage der Kommunikation und der Verbindlichkeit!
    So, das musste jetzt mal raus. Ich hoffe, unsere BL kriegt ihn morgen “ am Wickel“ und erwischt ihn eiskalt, bevor er sich wieder raus flüchten kann!
    Liebe Grüße von einer ziemlich gestressten und entnervten
    Sonja

  12. Anita schreibt:

    Hallo Sonja,

    ich wollte mich gerne noch mal melden. Hier ging nur an vielen Stellen alles drunter und drüber.

    Ich hoffe, Du hast etwas klären können, im Sinne Deines Sohnes.

    Was mir immer wieder auffällt, in Zusammenhang mit Lehrern; ist die Hilflosigkeit vieler und leider oft auch die Beratungsresistenz.

    Allerdings stoße ich viel häufiger auf Hilflosigkeit!

    Nun muss man dann nach dem Punkt suchen, und im Zweifel an höherer Stelle nachfragen und lästig werden, wo man ansetzen kann und muss, um die Dinge ins laufen zu bringen.

    Ein wichtiger Grundsatz ist: „Aufgeben gilt nicht, hier geht es um die Kinder!“

    Liebe Grüße
    Anita

  13. Sonja schreibt:

    Hallo Anita!
    Danke für die Ermutigung. Wir haben inzwischen immerhin erreicht, dass sich der Klassenlehrer mit der Beratungslehrerin aus unserer Stadt “ unterhalten“ hat. Das war nicht ganz freiwillig. Er hatte uns zu einem Gespräch in der Schule eingeladen (nur uns als Eltern), allerdings war der Termin extrem kurzfristig (2 Tage später!!), so dass wir nicht kommen konnten. Als ich ihm das per Mail geschrieben habe, kam die Antwort, dass ich ihn zwecks Terminabsprache genau zu diesem Zeitpunkt anrufen solle. Konnte ich aber auch nicht, musste zu einer Pflichtfortbildung auf der Arbeit, mein Mann musste auch arbeiten, deshalb konnten wir ja auch nicht kommen! Ich habe dann einfach die BL gebeten, anzurufen, damit er sich endlich nicht mehr davor drücken kann, mit ihr zu reden. Ihre Vorschläge zur Entschärfung der Situation hat er erst mal alle abgelehnt, wollte sie aber zum nächsten Gespräch einladen. Nach einer ganzen Woche ( da warten wir eigentlich seit Anfang Oktober drauf!) kam dann der Terminvorschlag. Am 10.12. sind wir jetzt in der Schule. Die BL kommt mit, das habe ich sofort abgecheckt, und dann sehen wir weiter. Wir haben immer noch die Autismusbeauftragte der Bezirksregierung in der Hinterhand und das Jugendamt. Du hast völlig recht: Aufgeben gilt nicht!
    Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ich melde mich hier, wenn das Gespräch vorbei ist.
    Bis dahin ganz liebe Grüße und alles Gute dir! Du hast ja auch hart zu kämpfen und noch an viel mehr Fronten als wir!
    Sonja

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