Körper und Gefühl

Memo an mich selbst: Muss. Mehr. Zu. Humanen. Uhrzeiten. Bloggen. Andererseits habe ich Ferien und muss gar nichts. Wie auch immer. Kommen wir zu einer Reihe säuberlich ausgewählter Anekdoten, die ich zu heutiger später Stunde preisgeben möchte. Noch jemand Getränke? Popcorn? Wunderbar, dann können wir ja.

Rückblick: Sommer vor drei, vier oder auch fünf Jahren. Ich sitze im Garten von meiner Oma und wir machen Reibekuchen. Weil niemand den Geruch von dahinbackenden Reibekuchen abkann, machen wir das draußen – ich kann das nicht verstehen, ich liebe Reibekuchen und sie riechen toll, aber ich schweife ab. Jedenfalls brutzeln diese Reibekuchen nun in einer Pfanne, einem runden platten Teil mit erhöhten Rändern. Und es begab sich nun – wie man nicht vielleicht denken dann, dass ich genau fein säuberlich mit dem Arm voll an diesen wunderbar heißen Rand kam. Resultat: Eine wirklich richtig schicke Verbrennung. Ich gucke mir meinen Arm an, zucke mit den Schultern und stopfe mir etwas unzivilisiert meinen Reibekuchen in den Mund. Das Ganze ist auch kein Thema mehr für mich, bis meine Oma die Verbrennung bemerkt (Achtung, Capslock!): „OH MEIN GOTT WAS HAST DU DENN GEMACHT DU MUSST DAS UNTER WASSER HALTEN TUT DAS NICHT WEH?“Ich gucke meine Oma an, als wär sie verrückt geworden. „Öhm… eigentlich tut das gar nicht weh, warum noch gleich die Panik?“

Rückblende: Vor in etwa zwei Wochen. Ich stehe in der Küche und mache mir Kakao. Ich mag dieses Gtränk sehr gerne sehr heiß – dann verbrenne ich mir gepflegt die Zunge und schmecke nichts mehr, aber egal – und bin gerade dabei, die Tasse aus der Mikrowelle, die mir bei meinem Vorhaben behilflich war. Und während ich das Kakaopulver fein säuberlich in die Tasse rühre, halte ich genau die etwas schief. Und bemerke, dass irgendwas nicht stimmt. Und denke mir irgendwann, dass meine Hand ein bisschen warm wird. Und ich sehe hin und bemerke, dass mir fein säuberlich angerührter Kakao über die Hand läuft, in rauen Mengen.

Dritte Geschichte? Nö, keine Lust. Ich kann jetzt natürlich weitermachen, wie die Sportverletzungen, die ich erst nach dem Unterricht als Sportverletzung identifizierte, und so weiter und so fort.
Ihr könnt ahnen, worauf ich hinauswill. Ich habe ein unheimlich gestörter Verhältnis zu… ja, was eigentlich genau? Schmerzen? Zu meinem Körper generell? Also, zu meinem Körper auch, darauf wollte ich sogar eigentlich hinaus, aber irgendwie ging das Ganze nun in die Richtung. Also erklärt euch das Siliel heute sein Verhältnis zu Schmerzen.

Gut, wenn es denn eins gäbe. Klar spüre ich Schmerzen, ich war mal wegen chronischen Kopfschmerzen einen Sommer lang Tablettenabhängig, aber trotzdem. Bis mir mal was wehtut, braucht es eine ganze, lange Weile. Obwohl, wenn ich keine Schmerzen haben soll, dann haut es mich um. Es gibt einen Satz, den ich mehr fürchte als jede andere Wortkombination auf dieser Welt: „Es tut nicht weh.“ Und wenn man mir das sagt, dann tut es weh. Faszinierend, nicht wahr?
Mit Spritzen kann man mich jagen (Da kippe ich vor Panik um, bei dem Versuch, mir keine Panik zu machen, weswegen ich Panik kriege), aber ich wette mit euch, würde man mir beide Arme abreißen, würde ich höchstens heulen, weil ich dann nicht mehr tippen kann.

Autismus ist ja eine Wahrnehmungsstörung. Und, ganz offensichtlich ist meine Wahrnehmung gestört. Ich glaube zumindest, dass ein Großteil der Menschheit doch merken würde, wenn er sich gerade sein Heißgetränk über den Körper kippt. Jedenfalls. Wenn ich demnächst am verbluten sein sollte, seid doch so lieb und sagt es mir. Könnte sein, dass ich das erst merke, wenn ich aus heiterem Himmel umkippe.

Oder schleppt mich zum Arzt. Aber dann fang ich an zu schreien.

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Eine Antwort zu Körper und Gefühl

  1. Ismael Kluever schreibt:

    Ach Siliel, was soll ich sagen…
    Du bist einfach ein außergewöhnlicher Mensch, und die mag ich! 😀
    Und danke für’s Popcorn!

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