Ich baue mir ein Haus

oder: Ich bin nicht krank, ich bin nur behindert.

Ok, vorneweg: Ernst sein kann ich zwar, aber nicht sonderlich gut schreiben, deswegen werde ich sämtliche offenen Briefe denjenigen überlassen, die es können, diese Briefe wertschätzen, rebloggen und erklären, dass das meiner Meinung entspricht.
Klar soweit? Gut.

Ich möchte mich also äußern. Zu einem gewissen Bischof mit einem gewissen Haus und einem gewissen Skandal an der Backe. Hat mich bislang eher mittelmäßig am Rande interessiert, denn die Kirche und ich, wir können nicht so miteinander.
Nun denn, dann passierten so Dinge, und auf einmal klärte sich alles auf. Der Herr Bischof, der könne ja gar nichts dafür, denn er sei ja krank und leide am Asperger-Syndrom. Laut seinem Bruder, vermutlich selbsternannter Autismusexperte. (Anm. d. Siliels: Ok, sorry, er weiß was er tut, ich aber nicht. Streicht das selbsternannt.)

Aha. So ist das also. Dann muss ich ja komplett umdenken, dann darf ich mich ja gar nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sehen. Oh Schreck!
Ich würde mich ja glatt krank melden, aber ich habe ja Ferien. Als Schülerin einer Regelschule. Wie konnte das nur passieren?

Ach ja, und dann leide ich ja. Ich sitze den ganzen Tag in meinem Zimmer und weine ob der Ungerechtigkeit der Welt. Warum bin ausgerechnet ich Autistin? Jetzt kann ich gar nichts mehr machen. Und was sollen bloß die Leute von mir… Ach nee, das ist mir ja egal, ich lebe ja in meiner eigenen Welt. Hups. Und niemand kann erklären, was in mir vorgeht. Geht gar nicht. Und mein Blog, der ist total sinnlos, denn Vermittlungsansätze zwischen beiden Dimensionen? Nee. Völlig unmöglich.

Aber hey, immerhin eröffnet mir die Diagnose ganz viele neue Möglichkeiten! Denn sie rechtfertigt alles: Leute beleidigen? Geld rausschmeißen? Konsequent alles ignorieren oder rumschreien? Einfach mal Arschloch sein? Kein Problem! Kann ja nichts dafür, bin ja Autistin.

Ok, wenn das so weitergeht, übergebe ich mich dezent auf meine Tastatur. Ich muss davon ausgehen, dass meine Nachricht wohlbehalten beim Empfänger gelandet ist.

Und ich? Nun, ich geh mir nen Architekten suchen. Und zwischendurch leide ich ein bisschen und wenn ich Lust habe, benehme ich mich total antisozial. Ich wünsche mir viel Spaß.

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10 Antworten zu Ich baue mir ein Haus

    • dassiliel schreibt:

      Der Bild traue ich aus hoffentlich nachvollziehbaren Gründen nicht über den Weg. Außerdem möchte ich der Meinung sein, dass Experten für Autismus wissen sollten, dass Betroffene weder krank sind noch leiden.

  1. mellissandra schreibt:

    merke: autismus als ausrede für kmrimminelles verhalten, taugt nur wenn du keinen bruder hast, der selbst psychiater und profi auf dem gebiet ist…dumm gelaufen für den bischhof

    seinen bruder werden viele autisten wegen seiner worte wertschätzen: „Gerade auch mit Blick auf die Patienten, die tatsächlich an Autismus leiden, möchte ich davor warnen, medizinische Krankheitsbegriffe als Mittel der Auseinandersetzung in persönlichen oder institutionellen Konflikten und Machtkämpfen zu missbrauchen.“

    • dassiliel schreibt:

      Erstens ist Autismus keine Ausrede für irgendwas. Mit der Diagnose geb ich schließlich meinen gesunden Menschenverstand nicht ab. Es ist vollkommen irrelevant, ob der Bischof Autist ist oder nicht.
      Zweitens leide ich immer noch nicht unter Autismus. Und ich kenne keinen Autisten, der an dieser Tatsache zu leiden hat, das ist nämlich erstmal Schwachsinn.
      Drittens hab ich den Post unter anderem deswegen geschrieben, weil – pass auf – viele Autisten eben ganz und gar nicht für irgendwelche Worte dankbar sind.

  2. maedel schreibt:

    macht ja nix. Ich weiß es auch nur, weil ich in Freiburg zur Diagnostik war.

  3. Anita schreibt:

    Hallo Siliel,

    Du hast vollkommen Recht

    Zitat: „Mit der Diagnose geb ich schließlich meinen gesunden Menschenverstand nicht ab. Es ist vollkommen irrelevant, ob der Bischof Autist ist oder nicht.“

    der Limburger Bischof hat aus *wasweißichwasfürGründen* jedes Maß verloren!

    Und das sein Bruder klar Stellung bezieht finde ich gut!

    Autisten sind weder

    -„bessere“ Menschen

    noch

    – alles was das Klischeebild hergibt!!

    Es sind Menschen mit Stärken und Schwächen.

    Die durchaus, wie Du gerade mit diesem Beitrag bewiesen hast, zu Zynismus und Sarkasmus fähig sind. (Klischeebild nicht erfüllt 😉 )

    Was ich an dieser Art der Berichterstattung nicht leiden kann (absolut NICHT leiden kann), dass Vermutungen mit Beimischung von Klischeevorstellungen durch die Medien „getrieben“ werden um entweder zu entschuldigen oder zu verurteilen!

    DAS hat mit seriöser Berichterstattung nichts zu tun!
    Damit tut man nur sehr vielen Menschen Unrecht!
    Damit verfälscht man das Bild der Realität.

    Danke für Deinen Artikel!

  4. mellissandra schreibt:

    Du hast den Flachwitz verpaßt, mit dem Dieter Nuhr sich gestern auf Twitter und FB blamiert hat: „FAS: Limburger Bischof eventuell Autist? Ist das nicht Bedingung, um das Zölibat zu überleben?“

    • dassiliel schreibt:

      Nein, den hab ich nicht verpasst. Ich hatte nur keinen Bock, mich darüber auch noch auszulassen, außerdem haben das bereits andere getan und deren Worte muss ich nicht nochmal wiederholen, denn alles ist gesagt.

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