Siliel Referendarschreck

Da war ja noch was, was mir gestern passiert ist. Aber da war mein Blogpost schon fertig, deswegen leg ich nach. Also.

Ich sitze nichts ahnend in Philosophie bei einem wirklich sehr freundlichen Referendar, der in seiner ersten Stunde mit uns Batman geguckt hat. Sein positiver Trend auf der Beliebtheitsskala meinerseits dreht sich allerdings abrupt ins bodenlos negative, als er mit folgender Idee um die Ecke kommt.
„An der Tafel war mir die Textanalyse etwas zu chaotisch, ihr macht das jetzt in Gruppen. Ihr könnt euch da ja alleine sortieren, oder?“
Nein, können wir nicht. Also, ich nicht. Die anderen schon, sind aber Meister darin so zu tun, als gäbe es mich nicht, genau wie ich.
Ich seufze und beschließe, einfach behindert zu sein, sodass sich jetzt die Lehrer drum kümmern sollen, wie das jetzt ausgeht.
Tatsächlich, gerade als der Referendar mir erklärt, ich solle mich einfach irgendwo dazusetzen (darf ich mir stattdessen einfach irgendwo mein Grab schaufeln? ), räuspert sich mein eigentlicher Philosophie-Lehrer, der im Hintergrund sitzt und sich Notizen macht, und nimmt mich samt Referendar kurz vor die Tür.
„Alleine?“, fragt er.
„Ich bitte darum.“
„Gut, hier hast du ne Folie, kannst wieder reingehen.“
Ich nicke, und mache mich ans Werk. Ich habe zwar von Analysen in Philosophie keinen Plan, aber bekanntlich zählt der Wille ja auch.
Lehrer und Referendar unterhalten sich daraufhin die ganze Stunde vermutlich über mich, denn das tun sie ganz knapp außerhalb meiner Hörweite. Mist, hätte ja gerne gewusst, über was die sich so unterhalten.
Ich muss meine, ähm, Gruppenarbeit nicht vorstellen und bin der festen Überzeugung, dass ich das auch nie wieder müssen werde. Vermutlich hab ich den armen Kerl ein bisschen verschreckt, hatte er doch keine Ahnung von irgendwelchem Autismus und dachte sich wohl, dass man mit Gruppenarbeit nichts falsch machen kann. Und fann tritt der versehentlich voll in den Fettnapf – ich sag es euch, wär mir das passiert, ich würde nie wieder mit mir reden.

Ich kann mir natürlich sehr gut vorstellen, weshalb dieser Referendar nun in  diesem Kurs gelandet ist. Klar. Wegen mir. Was mich aber wundert ist ja, weshalb ihn anscheinend niemand informiert hat. Genau weiß ich fas nicht, aber ich gehe davon aus und wundere mich. Stellt euch vor, ich wäre gehörlos und er hätte das nicht gewusst. Hm.
Was ich mich jetzt frage: Wie groß wird das Thema Inklusion im Lehramtsstudium geschrieben? Was wird da durchgenommen, wird da irgendwas vorbereitet, klargestellt, was auch immer? Das würde mich wirklich brennend interessieren, kann mir da jemand weiterhelfen? Wär voll toll und so, und ihr kriegt auch nen Keks, wenn ihr wollt.

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10 Antworten zu Siliel Referendarschreck

  1. Anita schreibt:

    Im Studium scheint es erst gaaaaaaaaaaanz langsam anzukommen, dass Inklusion „neuerdings“ dazu gehört.

    Und Du hast echt Glück mit Deinem „echten“ Philo-Lehrer!! Der hat zwar spät, aber er HAT reagiert!

    Und wie sehr wünsche ich mir oft, dass Lehrer die tägliche Anstrengung von Autisten in der Schule einfach sehen könnten.

    Damit man als Autist und auch als Eltern nicht immer wieder vor Betonwände rennen müsste. So fühlt sich das nämlich an! Man sagt was und hat den Eindruck, dass es „abprallt“ oder „langsam runter fließt“, was man so zu sagen hat. Oder das man früher (ja toll, Problem hat sich ja „gerade erst“ gestellt) was erklären hätte sollen. Oder das der autistische Schüler Verständnis für die „Anderen“ haben soll. Hat er oder sie ja! Aber er/sie erwartet auch Verständnis dafür, dass Gruppenarbeit ein Horror ist. Man eben nicht so einfach die Kontrolle der Gruppe übernehmen kann, wenn das Thema „unsicher“ ist.

    Analysen gehen zwar eigentlich, aber brauchen viel mehr Zeit und klarere Fragen!!

    Da hilft dann leider nicht, dass die „Anderen“ es intuitiv „können“ (oder so tun). Darüber wird ja nicht klarer, was eigentlich in der Frage gemeint war.

    Wenn nun Referendare hier die Möglichkeit haben es in der Praxis zu erleben und im besten Falle noch lernwillig sind (mit ähnlichen Problemen im Bezug auf die Analyse der autistischen Person), ist es immerhin schon ein Schrittchen in die richtige Richtung.

    • dassiliel schreibt:

      Das finde ich eben auch, deswegen ist es gut, dass dieser Referendar in meinem Kurs gelandet ist. Seltsam finde ich allerdings immer noch, dass man ihm vorher nichts gesagt hat (Glaube ich) und dass ich nie die Chance bekommen habe, auch mal selber zu Wirt zu kommen. Ich hätte ihm liebend gern erklärt so viel er will, Inklusion heißt ja auch gegenseitiges Entgegenkommen. Hätte ich gemacht. Will ich auch noch machen, so lassen sich Fragen schließlich noch am besten klären.

      Mein Lehrer hat in der Tat spät reagiert, aber er hat reagiert, das rechne ich ihn an. Er ist zwar mein Betreuungslehrer, daher sollte das eigentlich selbstverständlich sein, aber ich bin auch die erste Autistin bei uns, da wird sich noch sehr viel einfach einspielen müssen, bis das funktioniert. Ich hoffe, dass aber wenigstens mein Nachteilsausgleich steht ubd nicht mehr hinterfragt wird von irgendwem. Da hab ich in der Tat genug für gekämpft.

  2. Anita schreibt:

    Ich hoffe mit Dir zusammen für den Nachteilsausgleich! Hast Du den schriftlich gestellt und in der Schulakte verewigen lassen?

    Eine Frage habe ich noch an Dich. Hast Du für Deine Mitschüler irgendwas an Aufklärung oder Erklärung zu Autismus gemacht?

    • dassiliel schreibt:

      Ich hoffe (oder sollte ich beten?), dass das schriftlich gemacht wurde. Festgehalten sind auf jeden Fall die wichtigsten Stichpunkte und an jede Lehrer ist ein Infoblatt rausgegangen, ganz un-schriftlich ist das nicht.

      Meine Mitschüler haben keine Ahnung, ich denke auch, dass das ganz gut so ist, weil die meisten das eher als Angriffsfläche denn Erklärung sehen würden. Notfalls kann ich das ja nachholen, im Moment sehe ich da keinen Sinn drin.

      • Ismael Kluever schreibt:

        Hmm, nur sind deine Mitschüler dann dazu verurteilt, sich dir gegenüber daneben zu benehmen, wenn ihnen niemand sagt, wie es richtig geht. Sofern sich sich denn irgendwie „benehmen“ und dich nicht ignorieren.
        Oder? *grübel*
        Wann/in welchen Situationen dürfen sie denn wissen, warum du so anders tickst?

      • dassiliel schreibt:

        Das weiß ich nicht, das kann ich auch gar nicht beurteilen. Und ich kenne meine Mitschüler ja nun auch ein bisschen und meine Freunde auch und die sehen im Moment keinen Grund, denen irgendwas zu sagen. Ob das „anders“ einen Namen hat oder nicht, ist ja prinzipiell egal und aus Erfahrung weiß ich, dass das die Situation im Zweifelsfall nicht einfacher macht.
        Aber um ehrlich zu sein, mag ich das Thema gar nicht anschneiden, weil ich damit (und mit dem Bereich Mobbing, in welche Richtung da hier geht. Glaub nich.) schon genug Zeit meines Lebens verbracht habe und eigentlich mal gut sein sollte. 😀

      • Ismael Kluever schreibt:

        Hm…, ich hätte als Schüler immer gern gewusst, warum was und wer wie ist.
        Hat mir nur niemand erklärt.
        Aber vielleicht hätte es mich auch überfordert, zu begreifen, warum rund zwei Dutzend (neurotypische) Typen in meiner Klasse so bescheu… ähh… so anders als ich waren. 😉 😀

      • Anita schreibt:

        Wir sind jetzt in der EF gehalten worden, dies schriftlich in der Schulakte niederlegen zu lassen, als Antrag von uns; da es sonst im Abi nicht gelten kann.

        Gruppenarbeiten lösen bei mir als Mutter übrigens schon aus der Ferne eine Art „Allergie-Schock“ aus. Was bin ich froh, dass es das damals noch nicht gab.

  3. Ismael Kluever schreibt:

    Gruppenarbeit? Das ist doch, wenn einer sich abrackert und die anderen chillen, oder?
    Jedenfalls war das früher bei uns so. Wir waren dabei die Versuchskarnickel. Unsere Lehrerin gehörte zu denen, die Gruppenarbeit in der Schule erfunden haben. Ansonsten war sie aber ganz okay! 😉

    • dassiliel schreibt:

      Gruppenarbeit war erst so, dass ich die ganze Arbeit gemacht habe – als ich damit aber so richtig vor die Wand gelaufen bin (Ich hab drei Stunden abends noch gearbeitet und die anderen haben ihr Zeug vergessen), hab ich dann gar nichts mehr gemacht – war offenbar auch nicht so richtig 😀 Und dann kam die Oberstufe und ich wurde ständig in Gruppen gesteckt, wo ich die Leute nicht kenne (Ja, bis heute nicht), und dann hatte ich keinen Bock mehr drauf. 😀 Manche Lehrer sind aber auch echt schlimm – eigentlich auch der in Philosophie, wobei der seit diesem Jahr so gut wie gar nicht mehr Gruppenarbeit macht, hihi. ^^

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