Smoothies

Es ist halb vier und ich befinde mich auf einer Mighty Quest for Epic Loot. Mein Ziel sind Smoothies und ich kann, will und werde sie bekommen. Und so bin ich nun auf dem Weg durch die fast menschenleeren Straßen dieses Dortmunder Vorortes mit dem geschätzten Altersdurchschnitt von 50+ Jahren. Kaum habe ich den Gedanken zu Ende gedacht, kommt mir eine Seniorin mit Rollator entgegen.

– Flashback: 2 Stunden vorher –

Lukan, seine Freundin Ai und ich spielen fröhlich und nichts Böses ahnend ein Online-RPG, als Ai vom Mittagessen wiederkommt und verkündet, sie habe einen Smoothie und gedenke, ihn zu trinken.
„Ich wollte schon immer mal einen haben“, erkläre ich und fange dann an, laut zu denken. „Kann man die auch selber machen?“
„Klar“, sagt Ai. „Man braucht O-saft für die Basis, am besten noch Bananen dabei und dann je nach Geschmack Äpfel oder…“Ich denke an die beiden traurigen Gestalten, die in unserem Obstkorb liegen und ihrem Alter nach eher ins Seniorenheim für Äpfel gehören. Dann Bananen, die wir gar nicht haben und die ich gar nicht mag. Dann an den Orangensaft, der – sollte er denn überhaupt existieren – so lange in der Einsamkeit herumstand, dass er mir beim Öffnen vermutlich vor Freude ins Gesicht springt. Ich ahne, selber machen hat gerade seine Hindernisse.
„Ich glaube, Selbermachen ist nicht“, gebe ich meine Erkenntnis soglaich preis. „Aber das kann man doch bestimmt irgendwo kaufen?“
Bei dem Wort „Kaufen“ blinken daraufhin mehrere imaginäre Alarmlämpchen in meinem Kopf auf und vor meinem inneren Auge taucht eine leuchtend rote Liste auf, die immer länger wird.
Wie sehen Smoothies eigentlich aus? Wo kriegt man die? Wie viel kosten die da? Wie komm ich da hin? Wie lange dauert das? Warum bin ich auf diese blöde Idee gekommen? Kann ich die DInger nicht doch selbermachen? Was braucht man dafür? Gibt es Gott und wenn ja, warum… Moment.
„Natürlich kann man die kaufen“, sagt Ai, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Zum Glück hat sie die Liste nicht gesehen. „Meine hab ich zum Beispiel von Kaufland.“
Gut, denke ich, das ist näher als der Kaufzoo in der Innenstadt. Aber immer noch ne halbe Stunde Fußweg hin und ne halbe Stunde zurück. Und eine halbe Stunde rumirren, weil Kaufland unübersichtlich und doof ist.
Ich denke nach. Mittlerweile will ich unbedingt Smoothies haben, es gibt fast nichts was ich lieber möchte, aber ich kann nicht los, wenn ich nicht weiß, wohin. So was Blödes.
„Was ist mit dem LadenBeiUnsUmDieEckeIchWillKeineSchleichwerbungMehrMachen?“, frage ich. „Hat der auch Smoothies?“
„Weiß nicht.“ Ai denkt einen Moment nach. Und dann, ja dann kommt sie auf die rettende Idee. „Warte mal, ich schau mal nach.“
Ich höre das Klappern ihrer Tastatur. Eine Weile passiert nichts.
„Gib mal deine Postleitzahl.“
„Drölfzigdreifünfsiebzehn.“
„Danke.“
Wieder eine Weile passiert nichts. dann hat sie gefunden, was sie gesucht hat – nämlich die Antwort auf meine doch sehr dringende Frage. „Haben sie. Kannst losmarschieren.“
Ich grinse selig vor mich hin. Bis mir beim Schuheanziehen einfällt, dass ich besser gefragt hätte, was so ein Smoothie kostet. Ich packe 30 Euro ein und hinterfrage daraufhin meine geistige Gesundheit, als mir der Gedanke kommt, dass das immer noch nicht reichen könnte.

– Flashback: Zurück in die Gegenwart –

„Und, hast du welche gekriegt?“, fragt Ai, als ich wieder zurückkomme.
„Ich glaube schon.“
„Na ja, wo Smoothie draufsteht, könnte auch Smoothie drin sein.“
Ich seufze. „Da stand aber nirgends Smoothie drauf!“
Ich stoße auf blankes Entsetzen – oder so ähnlich.
„Aber was auch immer ich mir da jetzt gekauft hab, es schmeckt auch ganz gut“, sage ich und mache die zweite Flasche auf. Vermutlich züchte ich mir damit noch Diabetes, aber das soll mir grad mal egal sein. „Und als Ausgleich für die vielen Früchte hab ich mir auch noch Chips und Schoko mitgebracht. Cheers!“

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2 Antworten zu Smoothies

  1. mellissandra schreibt:

    ja, ich habe mal damit experimentiert, um das frühstücksproblem bei meiner tochter zu lösen, ich habe keins, ich bekomme stabil 3-4 stunden NACH dem aufstehen hunger, vorher betrachte ich das angebot von nahrung als subtile folter

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