Kthxbye oder: Das wär doch nicht nötig gewesen

Wie mans macht, man macht es falsch… über die Probleme von Autisten hab ich mich ja jetzt schon geäußert, auf diesem Blog und in Kommentaren und Autisten selber kennen das ja auch und Bekannte und Angehörige und so weiter und so fort…
Irgendwie sollte diese Einleitung auch ein ganz kleines bisschen anders klingen, aber egal. Jedenfalls möchte ich mich heute aufregen über Dinge, die ich nicht verstehe. Normalerweise finde ich das ja selber doof, denn um sich aufzuregen, muss man sich ja beschäftigt haben, aber zumindest das kann ich vorweisen. Was rede ich da eigentlich? Hinterfragt es nicht.

So, lange genug um den heißen Brei rumgeredet, ich möchte mich heute darüber aufregen, dass sich andere Leute darüber aufregen, dass ich so bescheiden bin.
Da bringt man mir mein Leben lang bei, nicht gierig zu sein und nicht immer alles zu wollen und so weiter – und wenn ich meiner Oma jetzt sage, dass sie mir nicht schon wieder Sachen für über hundert Euro schenken soll, dann regen sich wieder alle auf, warum ich das Angebot denn nicht annähme. Weil das vielleicht gierig wäre, manno? Ich meine… wir reden wir schon von dreistelligen Eurobeträgen, wenn man nicht zufällig reicher ist als meine Familie (aussterbende Art: Mittelstand), das ist viel Geld. Und ich behaupte, dass auch Großmütter weitaus Besseres mit hundert Euro zu tun haben, als sie ihren Enkeln in den Rachen zu schieben (Zum Beispiel Essen *hust* Ich nenne es das Ommma-Syndrom). Mal ganz davon abgesehen, dass ich die für mein Hobby bräuchte und der Meinung bin, dass ich dafür schon mein eigenes Geld aufwenden sollte. Gut, eigentlich wär es cool, wenn die Hälfte meines Projektes fremdfinanziert wird, aber man hat mir ja beigebracht… Und jetzt halten sie mich wieder für blöd, weil ich „nein“ gesagt habe.

Wenn man mir doch ein Angebot macht, Sachen für mich zu bezahlen, dann kann ich doch ablehnen. Oder definiert sich „Angebot“ jetzt auf einmal anders und der Duden hat es auch nicht mitbekommen? Ist jetzt eher unwahrscheinlich, aber hey, nichts ist mehr unmöglich. Heute läuft ja alles so schnell, irgendwann geht die Zeit dann rückwärts, da kann man schon mal verpassen, wenn sich auf einmal Bedeutungen radikal ändern.
Muss ich denn jetzt immer nur „Ja“ sagen, nur damit Oma jetzt glücklich mit Geld um sich werfen kann oder darf ich auch „Nein“ sagen? Oder muss ich jetzt „Nein“ sagen und „Ja“ meinen oder hab ich das jetzt einfach nur nicht hingekriegt. Und warum und wann zur Hölle ist das eigentlich so kompliziert geworden, das ist doch alles zum Kopf auf der Tastatur rollen. afdsuzgvfimo. So.

Hiermit fordere ich jetzt also ein silielkonformes Konzept von Bescheidenheit und Gier, damit ich eventuell auch mal begreife, wo denn das eine anfängt und aufhört. Ansonsten lehne ich halt weiter alles ab und mache Leute unglücklich und muss mir Sachen anhören und stürze die Welt ins Chaos und… wait.
Also, hier, Leute, die den Duden machen: Definiert das mal ordentlich. Und dann komm ich auch und schenk euch einen Keks. Kthxbye*, Kussi! ❤

*Cool, danke, tschau. Und/oder so.

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8 Antworten zu Kthxbye oder: Das wär doch nicht nötig gewesen

  1. Ismael Kluever schreibt:

    Au weia! Wenn Autisten schreiben: „Definiert das mal ordentlich“, dann weiß ich schon, dass das schief geht und ich mal wieder ohne Keks und Kussi davontrotten darf. 😦
    Trotzdem: Old Ismael schaltet jetzt auf Klookschietermodus um und schreibt was.

    Alsooo, Omas „Angebot“ ist natürlich kein Angebot. Und der dreistellige Euro-Betrag ist kein auf Papier gedrucktes (bzw. per Checkkarte in Bits und Bytes verwandeltes) Tauschmittel für eine Ware. Jedenfalls nicht in erster Linie. Deswegen gehorchen die Euronen in Omas Geldbörse hier anderen Gesetzmäßigkeiten, und die Neuronen in Omas Zentralnervensystem auch.

    Bei meiner Chatfreundin käme dazu jetzt dieser Erikativ: *verwirrt*.
    Gut, also: entwirren!

    Omas finanzielle Zuwendungen sind hier eine Ausdruck von „Zuwendung“, um das etwas pathetische Wort „Liebe“ zu vermeiden. Aber genau das ist gemeint.
    Der Zahlungsbetrag auf einem Scheck wird auf dem Formular nicht nur in Ziffern, sondern auch in Worten hingeschrieben. Und die Worte müssten hier lauten: „Oma hat das Siliel ganz dolle lieb!“
    Und nun darf Oma nicht. Das Siliel liebhaben. Jedenfalls nicht mit der Zeichnhandlung, Klamotten oder andere teure Dinge zu sponsern. Das zurückgewiesene „Angebot“ ist also so was wie die Zurückweisung einer Liebeserklärung. Deshalb die innerfamiliäre Empörung darüber.

    So, und nun hast du ein Problem. Nämlich Oma klarzumachen, dass sie sich liebhaben darf. Ohne Geld, nur in Worten.
    Nur in Worten liebhaben ist für NTs aber schwer. Knuddeln kommt ja bei Autisten auch nicht immer so gut an…

    • Ismael Kluever schreibt:

      Erratum:
      Letzter Absatz, erste Zeile: „sich“ soll heißen: „dich“, das Siliel nämlich.
      Was nicht ausschließen soll, dass Oma sich selbst auch lieb haben darf, aber das ist ein anderes Thema.

      • Anja schreibt:

        So hat mir das meine Therapeutin letzte Woche auch erklärt 🙂 Doch steht auf Gefühlen leider kein Preis. Auf Geldgeschenke zu Weihnachten kann man sich gut vorbereiten, die sind auch betraglich festgesetzt. Wenn so etwas unvorhergesehen geschieht bin ich mir meiner Reaktion auch sehr unsicher.

      • dassiliel schreibt:

        Schenken kannst du mir mittlerweile fast alles (allerdings muss man im Zweifelsfall auch mit keiner Frwude rechnen ^^º), man darf mich nur nicht fragen, ob ich was haben will. Dann sag ich lieber Nein und besorg mir die Sachen selbst.

  2. Ismael Kluever schreibt:

    Du schreibst: „man darf mich nur nicht fragen, ob ich was haben will. Dann sag ich lieber Nein und besorg mir die Sachen selbst.“
    Aber warum?
    *grübel*
    Wenn man dir was schenken will, muss man dich damit also überraschen?

    • Anja schreibt:

      🙂 weil, so ist es bei mir, sich dann ein Schuldgefühl einstellt. Ich kann vieles nicht, worin Andere anscheinend kein Problem sehen. Damit geht einher, dass ich an vielen sozialen „Normalitäten“ nicht teilnehmen kann oder Hilfe bei deren Umsetzung brauche. Damit belaste ich meine Umwelt, Menschen, die mir noch dazu nahe stehen. Bekomme ich dann auch noch Geschenke ist mir das unangenehm.

      • Ismael Kluever schreibt:

        Hi Anja!
        Können wir Muggels irgendetwas so drehen, dass ihr keine Schuldgefühle bekommt, wenn ihr Hilfe (oder Geschenke) erhaltet?
        Ich meine, jemandem helfen ist ja das Normalste auf der Welt. Und es ist oft auch ein wunderschönes Gefühl, wenn man helfen kann und darf. Man muss nur wissen, was gerade dran ist und wie man es richtig anstellt.

  3. Anita schreibt:

    Hallo Ismael,

    Zitat: „Können wir Muggels irgendetwas so drehen, dass ihr keine Schuldgefühle bekommt, wenn ihr Hilfe (oder Geschenke) erhaltet?“

    das erscheint im ersten Moment unmöglich. Ich versuche ein Gespräch zu führen. Aber oft kommt es zu Miss(T)verständnissen, weil ich oder meine Kinder etwas reininterpretieren, wo nicht interpretiert werden muss.

    Durch („falsche“) Erfahrungen mit verschiedenen Menschen, ergibt sich ein Durcheinander an Eindrücken, wo bei wem was wie gilt ……………. oder eben auch nicht, weil die Situation eine Andere ist.

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