Ich gehe nicht hin

Da hat mich doch eine Freundin zum Geburtstag eingeladen. Vor ein paar Jährchen wär das schon einen Post wert gewesen, aber heute ist das zum Glück anders. Ich frage mich nämlich jetzt was ganz bestimmtes.

Geburtstage finde ich anstrengend.  Meinen eigenen übrigens auch, ich wollte ihn ja gar nicht feiern, aber dann kam das auf einmal so und dann bin ich erst um halb eins ins Bett. Jedenfalls hab ich Glück und einen guten Tag gehabt, heißt: alles super.
Auch als meine beste Freundin mich eingeladen hat, war alles gut. Okay, ihre Schwester hätte ich beinahe umgebracht, weil sie so genervt hat, aber hey – mit der Meinung war ich nicht alleine. Passt also auch. Außerdem hat sie sich auch dreimal vergewissert, dass ich keinen Stress habe, dass es mir bloß gut geht. Fast schon zu viel des Guten, aber ich bin immer noch ein ganz klein bisschen viel gerührt.

Aber wenn man mich jetzt auf eine Party einlädt, mit 16 anderen Leuten, die ich teilweise nichtmal kenne, und mir dann gesagt wird, ich müsse schon nen triftigen Grund haben um abzusagen, dann sträub ich mich. Und überlege, wie gut mein „Ich bin behindert“ als Ausrede taugt.
Mit mir kann man grundsätzlich ja ziemlich viel machen. Auf freiwilliger Basis, versteht sich. Manche Dinge muss ich wollen, und diese Party will ich nicht. So.

Jetzt weiß ich es aber nicht. Ist das ein triftiger Grund? Ich hab schon abgesagt, aber, hm, durfte ich das denn? Ich hätte ja Zeit und alles, nur Lust nicht, wie sieht das jetzt mit Anwesenheitspflicht auf Geburtstagen aus?

Möchte mir jemand Nachhilfe geben?

(Mein Husten ist übrigens immer noch da. Aber er ist schon viel besser geworden 🙂 )

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2 Antworten zu Ich gehe nicht hin

  1. Ismael Kluever schreibt:

    Hi Siliel!
    Wenn das Risiko besteht, dass du ’nen Overload oder sonstwie hochgradigen Stress bekommst, dann ist das allemal ein triftiger Grund!
    Das Problem ist nur, das deiner Freundin plausibel zu machen. :-/
    Wie ich deinem Post entnehme, kennt ihr euch schon eine Weile. Aber was heißt hier „kennen“?
    In wie weit kann sie nachvollziehen, wie es dir in solchen Situationen geht? Was weiß sie darüber? Habt ihr mal darüber gesprochen?
    Wenn sie wirklich deine Freundin ist und nicht nur eine „nette Bekannte“, dann sollte das möglich sein. Das darüber Reden, das Verstehen, das auf dich Rücksicht nehmen.
    Blöderweise reicht es nicht, wenn sie weiß, „das Siliel tickt ein bischen anders“. Das hätte nur die Antwort zur folge, dass sie sagt: „Macht doch nichts! Wir haben ja nichts gegen dein Andersgeticke, kommen kannst du ja trotzdem!“
    Es sind also Detailinformationen gefragt. Aber wie kannst du die rüberbringen? Kannst du ihr in einem persönlichen Gespräch (mit Zeit, nich so zwischen Tür und Angel) vermitteln, wie es dir auf Parties ergeht? Und kann sie mit solchen persönlichen Informationen umgehen? Nimmt sie das ernst oder denkt sie, Siliel ist so eine witzige Type, das kann alles doch nicht so schlimm sein? Oder kann ihr das jemand anders besser klarmachen? Könntest du ’ne Kurzgeschichte zu dem Thema schreiben und in Umlauf bringen? Oder mal das Schattesnspringer-Comic ausdrucken und ihr zu lesen geben?

    Ohmanno… Du hast eine Frage gestellt und ich hab mit mindestens neun Gegenfragen geantwortet! 😦

    Na gut, dann schalte ich vom Besorgterpapimodus mal auf Ethologieprofessormodus um, auch wenn’s genau so bescheuert ist. Egal, also:
    Neurotypische Menschen sind Hordentiere. Und sie müssen sich gegenseitig dieses „Wir-sind-eine-Horde“ immer wieder bestätigen. Dazu dienen z. B. Parties. Dabei geht es also verhaltenskundlich gesehen gar nicht um Spaß an Musik, Tanzen und Essen, sondern um die Festigung sozialer Bindungen. Eigentlich schön, dass dich deine Freundin in ihrer Horde haben will. Und wenn du nicht kommst, besteht die Möglichkeit, dass du aus der Horde rausfällst. Darin besteht also der funktionale Aspekt der „Anwesenheitspflicht“. Pech, dass das für Autisten einfach nicht passt.
    Also müsst ihr euch was anderes überlegen, um das auszugleichen. Öfters mal zu zweit treffen und dabei was gemeinsam machen. Oder in einer ganz kleinen Gruppe.
    Ich hab seit meiner Grundschulzeit keine großen Geburtstagsparties mehr gefeiert. War mir einfach zu nervig!
    Dafür haben wir später oft in kleinem Kreis unsere Geburtstage gefeiert. Total anders. Mit Teetrinken, Schachspielen, Gruselgeschichten bei Kerzenlicht erzählen usw.

    So, und nun mach ich dir ’nen virtuellen Hustentee. 😉

    • Ismael Kluever schreibt:

      Ähh, noch mal langsam zum Mitdenken:
      Als dich deine beste und rührende Freundin eingeladen hatte, war alles gut, schreibst du.
      Aber nun hat „man“ dich eingeladen, – also nicht deine beste Freundin, und auch nicht die zweit- oder drittbeste Freundin, mit der du reden könntest, sondern „man“?

      Da ist das Absagen nicht ganz so problematisch, weil es sich ja wahrscheinlich nicht um deine Lieblingshorde handelt, die da kommt.
      Allerdings ist auch das Plausibelmachen der Absage mittels einiger Basics in Autistologie nicht so einfach, wenn du nicht gerade einen guten Draht zu jener/m „man“ hast. Ich würde es tatsächlich mit einer Kurzgeschichte oder dem „Schattenspringer“ versuchen.

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