Nachteilausgleich

„Das ist, weil ich behindert bin und deswegen hab ich auch kein Sport.“

Alles klar? Nee? Dachte ich mir. Die Mehrheit der Menschen kann das Wort zwar buchstabieren, sich aber nichts darunter vorstellen – wie ich übrigens auch. Dann stand plötzlich die Diagnose „Autismus“ im Raum, dann der niedliche und von mir heißgeliebte Begriff „Behinderung“ und dann, ja dann kommen wir zum Nachteilsausgleich. Aber liebes Siliel, was ist das denn nun?

Nun. Generell gilt: Es ist drin, was draufsteht (Sollte es jedenfalls). Ausgleich von Nachteilen. Heißt: Behinderte Schüler/Studenten/wasauchimmer bekommen verschiedenste Zugeständnisse, damit sie genau die gleichen Chancen haben, wie alle anderen auch. So dürfen beispielsweise Blinde Laptops benutzen und haben doppelt so viel Zeit wie Klausuren. Und ich hab kein Sport. Unter anderem. Ich erzähle euch mal, was bei mir so rausgekommen ist. Brühwarm sozusagen – denn das Ganze steht erst seit einer Stunde fest.

Erstens: Ich hab kein Sport. Gut, das ist keine Überraschung, ich glaube auch fast, dass ihr das schon geahnt habt… Wie auch immer, machen wir weiter mit Nummer Zwei.
Zweitens: Statt 50 Prozent Anteil an sonstiger Mitarbeit an der Gesamtnote sind es nur noch 30. Das ist gut, weil: Dazu gehört auch das Mündliche. Und wie das mit mir und dem Reden ist, na ja, das hatten wir ja schonmal irgendwo. Das Ganze gilt aber nur in Fächern, in denen ich Klausuren schreibe, die dann logischerweise statt 50 zu stolzen 70 Prozent zählen.
Drittens: Nun, wie ist das denn nun mit den mündlichen Fächern? Man will ja nicht sein ganzes Leben nur Klausuren schreiben. Da besteht die Hälfte der Gesamtnote aus… irgendwas. Irgendwelchen angefertigten Arbeiten, was auch immer sich die Lehrer darunter vorstellen, offensichtlich sollen die sich das selber ausdenken. Soll mir recht sein, solange ich das nicht machen muss, denn ich hab keine Ahnung.
Viertens: Wenn ich meine Ruhe will, krieg ich meine Ruhe. Oder, unheimlich pessimistisch formuliert: Wenn ich keine kreischenden Schüler im Klassenraum mehr haben kann, geh ich nach draußen zu kreischenden Schülern auf den Flur. Aber wir bleiben ja positiv, also kriege ich lieber meine Ruhe. Notfalls ess ich die, die mich nerven halt einfach auf. Oder so.
Fünftens: Ach ja, fast vergessen. Gruppenarbeit. Ich kriege gesonderte, spezifizierte Aufgaben, damit ich wenigstens so tun kann, als würde ich produktiv sein. Ich prophezeihe: Das geht garantiert nicht gut, weil ich und Gruppenarbeit uns in etwa so gut verstehen wie die Ameise mit dem Schuh, der sie gerade plattgetreten hat. Aber wir wollen ja positiv bleiben… Würde sogar ganz schön schwierig werden, aber das ist ja schon die Ende der Liste. Reicht aber auch, finde ich.

Und jetzt nochmal für diejenigen unter euch, die irgendwann in die Verlegenheit kommen: Kümmert euch um Nachteilsausgleiche! Die sind toll! Die gelten unverbindlich und niemand kann euch dann noch was! Da muss sich jeder dran halten! Mit anderen Worten ist es großartig (und ich hab Hunger).
(Oh, und wenn ihr keine utopischen Forderungen stellt, dann kriegt ihr sogar noch, was ihr wollt.)

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5 Antworten zu Nachteilausgleich

  1. Anita schreibt:

    Toll, dass Du das so geregelt bekommen hast!

    Darf ich fragen, welche Klasse?

    Bei uns stellen sich die Lehrer meines Sohnes (10. Klasse Regelgym) immer noch „irgendwie“ an. Trauen sich nicht wirklich irgendwas und „eiern“ rum. Brauchen Genehmigungen vom Regierungsbezirk usw. usf. Ach ja, Langeweile ist ein Wort, was ich schon lange aus meinem Wortschatz streichen könnte.

    Und da leider auch einige beratungsresistente Menschen mit merkwürdigen Vorstellungen über Autismus und Angleichung darunter sind sind Ideen hilfreich.

    • dassiliel schreibt:

      Ich bin Q1, sprich elfte Klasse, sprich laut G8 werd ich in anderthalb Jahren Abi machen.
      Ich bin mir nicht mal wirklich sicher, ob und wie das bei mir wirklich jeder Lehrer verstanden hat, die Sache mit dem „schriftlich mehr bewerten“ offenbar schon, aber was Autismus wirklich bedeutet, da braucht der ein oder andere garantiert noch Nachhilfe. Das schließt ja auch Kommunikation mit ein, da darf man nicht denken, dass ich missverständnisfrei durch die Gegend laufe – die Tage, an denen ich konsequent nicht die Nerven verliere, weil ich schon wieder denke, irgendwer wollte mir was und wollte das gar nicht, sind in der Unterzahl – aber egal.

      Ich hab ja überlegt, ob ich eine extra Seite zum Nachteilsausgleich anlege, weil das ja schon ein ziemlich wichtiges Thema ist. Hättest du eine Idee, was ich irgendwie ansprechen könnte/sollte/müsste?

  2. Anita schreibt:

    Wenn ich alles richtig verstanden habe, dann bist Du aus NRW. Wir auch. Der Große ist ja in der EF.

    Wir müssen nun mit dem Reg.-Bez. uns rumstreiten, wie wir am besten die Nachteilsausgleiche schriftlich fixieren. a) wegen der Klausuren (vor allem der zentralen) und b) damit die Nachteilsausgleiche auch im Abi gelten.

    Es geht ja nicht nur um generell mehr Zeit, oder größere Ungenauigkeitstoleranzen beim Zeichnen in Mathe.

    Es sind ja auch die Verständnisfragen in den sprachlichen Fächern. Interpretation und Analyse (Gedichte und die großen Dichter), wie man das hin bekommt hier aufgedröselte Fragen gestellt zu bekommen.

    Zitat: „die Tage, an denen ich konsequent nicht die Nerven verliere, weil ich schon wieder denke, irgendwer wollte mir was und wollte das gar nicht, sind in der Unterzahl – aber egal. “

    das ist übrigens gar nicht egal. Das ist richtig gut!

    Entspannung an der sozialen „Front“ ist eine große Erleichterung!! 😉

    • dassiliel schreibt:

      Jap, NRW, schuldig im Sinne der Anklage. 😉 Uns hat man ja gesagt, dass man solche Dinge wegen dem Abi zwar vorher machen muss – aber eben jetzt noch nicht, sondern dann, wenn es wirklich nötig ist. Und wenn ich ehrlich bin, ist das in der E-Phase echt nicht der Fall, die Noten zählen nichts fürs Abi und generell halte die Zeugnisse – wenn man denn nicht danach abgeht – für die unnötigsten in der Schullaufbahn (Auch wenn einem die Lehrer was anderes erzählen).
      In Deutsch würde ich mir auch mehr Unterstützung wünschen, weil ich zwar schriftlich auf eine solide 3 komme, das Ganze aber echt mehr Glückssache denn Können ist. Stellt sich nur die Frage, inwiefern man mir da tatsächlich unter die Arme greifen kann, ohne dass es am Ende wirklich unfair wird.

  3. Anita schreibt:

    Zum einen ist es so, dass die Lehrer sich Sicherheit wünschen und die Regeln klar abgestimmt haben wollen. Zum anderen weiß ich, dass auch in anderen Bundesländern die Dinge frühzeitig gesichert in der Schulakte stehen müssen.

    Multiple Choice wäre eine feine Sache. Oder Fragen besser untergliedert bzw. klarer gestellt! Also lieber 4 Fragen statt eine mit einem WirrWarr von Deutungsmöglichkeiten.

    Dass es jetzt in der EF nicht „das“ Problem ist, ist mir klar. Aber bis Ende des Schuljahres (das mir in Anbetracht der Problematik mit dem Reg.-Bez. fast wie morgen vorkommt) müssen wir das Ganze halt fertig haben.

    Ich finde nur Niemanden, der das Ganze in NRW schon durchgeboxt hat.

    Aus BW und RP schon, aber deren Regeln gelten leider nicht hier.

    Es grenzt also schon eher an „künstlerische Freiheit“ hier was genaues „auf die Beine zu stellen“.

    Vielleicht ist es sinnvoll, ein Brainstorming zu machen, mit dem was man gut gebrauchen könnte und dies dann zu verschriftlichen.

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