Die Sache mit dem Reden

Miteinander reden ist ja mehr so eine Begleiterscheinung der Kommunikation, denn die läuft zu einem Großteil nonverbal ab. Hab ich gehört. Wie auch immer, weil ich heute über Kommunikation bloggen will, die Nonverbale aber irgendwo gar nicht verstehe und bewusst nicht anwenden kann, hab ich mir halt die Minderheit rausgesucht. Denn den Mund aufmachen kann ich ziemlich gut, und halbwegs sinnvolle Sätze produzieren auch. Coole Sache.

Grundsätzlich spreche ich aber nicht gerne. Ist ja auch ganz okay, nur weil man was kann, muss man es noch lange nicht mögen. Ich kann (konnte) Französisch, aber ich hasse die Sprache wie die Pest (Und mir wurde der Unterricht zu blöd). Blöderweise ist, dass die Leute bei Französisch da noch Verständnis haben und beim Sprechen auf einmal nicht mehr. Also, um mal wieder aufs Thema zurück zu kommen, versuche ich mal zu erklären, warum ich nicht gerne rede.

Erstens, wollte ich das ganze nicht in Listenform machen. Macht aber nichts. Zweitens jedenfalls, gibt es ja Leute, die offenbar so reden wie sie denken. Einfach frei dahin, als hätten sie eine Leitung vom Hirn bis zum Mund und die Wörter rutschen einfach durch. Ich – Achtung, Plottwist! – gehöre nicht so unbedingt dazu. Wenn ich rede, verhaspel ich mich, bringe Wörter, Sätze und Buchstaben durcheinander, brauche manchmal mehr als drei Anläufe, um so ein Wort wie „nicht“ auszusprechen (Passiert aber nicht so häufig… puh) und denke schneller als ich reden kann. Ich kann mir Absätze zurechtlegen, und versau das trotzdem nach aller Kunst. Gestern übrigens auch die Bestellung beim Italiener. 😛
Wie auch immer, das reicht schon, um ziemlich doof zu sein, denn: Versteh dann mal einer, was ich will. Außerdem rede ich grundsätzlich und mit vollster Un-Absicht viel zu leise, es sei denn, es ist gerade angebracht. Aber selbst dann ist das mit dem Verstehen so eine Sache. Ich bin ja auch schlagfertig. Hilft nur nicht viel, wenn die Sätze zu lange brauchen, um da hinzukommen, wo sie hinsollen.

Drittens (Ich mag diese Listenform immer noch nicht): Selbst wenn ich dann mal einen gut verständlichen Satz von mir gebe – das passiert zum Glück eher häufig -, dann krieg ich des Öfteren trotzdem nicht was ich will. Nach der Tonqualität hapert es dann an der Tonlage, gefolgt von so üblen Gestalten wie Wortwahl, Höflichkeit dem ganzen Rest, der da noch so rumschwirrt. Wenn man mich verstehen möchte, muss man darauf hören, was ich meine und nicht darauf, was ich sage. Einfach? Vermutlich nicht so.
Ich habe so die Eigenart, Dinge zu sagen, die im Kontext vollkommen unangebracht sind, so formuliert sind, dass die anderen es falsch auffassen oder es gleich für wirres Zeug halten. Oder es wird interpretiert, wo ich nichts zum interpretieren hingeworfen habe, kurz: Alles, was irgendwie schiefgehen kann, wird über kurz oder lang auch schiefgehen. Als hätte ich einen gewissen Murphy gefressen.
Ich kriege also weitaus häufiger einen drauf, weil ich irgendwas „Falsches“ gesagt habe, als ich in meinem ganzen Leben sinnvolle Diskussionen mit manchen Leuten geführt habe. Was dann dazu führt, dass ich mit vielen Leuten nicht allein sein möchte, weil ich dann nur mit ihnen reden muss und ich eigentlich gar nicht so genau weiß wie. Das ist, für die neurotypische (sprich: Leute ohne so lustige Sachen wie Autismus) Bevölkerung, so, als ob euch aufgezeigt wird, was ihr alles falsch macht und ihr euch darauf zusammensuchen müsst, wie es richtig geht. Also quasi Trial and Error, nur mit ein bisschen weniger Error als vorher.

Da macht das Reden dann auch irgendwie keinen Spaß mehr. Wenn ich könnte, würde ich mich rein über Zettel ausdrücken, denn schreiben kann ich sehr gut und tue das auch viel, viel lieber als sprechen. Telefonieren tu ich gar nicht, weil das noch schwieriger und auch akustisch so eine Sache ist.

Bevor jetzt jemand denkt, ich rede gar nicht und finde das ganz, ganz schlimm, wenn ich doch mal muss: Manchmal tu ich das. Manchmal spreche ich einfach gar nicht, weil mir nicht danach ist oder weil ich es schlicht und einfach zu anstrengend finde. Wenn ich jetzt aber in Gesellschaft von Leuten bin, die ich mag, die ich vielleicht sogar verstehe, die mich verstehen und denen es egal ist, wenn ich mal wieder wirres Zeug vor mich hinrede, dann unterhalte ich mich tatsächlich auch sehr gern. Und manchmal übertreibe ich es dann auch mit dem Reden.

Jedenfalls, um dem Post noch ein Fazit zu gönnen, denn er ist noch gar nicht lang genug: Sprechen kann ich. Reden eher nicht so. Und Dinge, die man nicht kann, die tut man nicht unbedingt gerne.

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