Dämonen

Eigentlich wollte ich über vieles bloggen. Über einen Tag im Freibad, doch da ist nichts passiert, worüber es sich zu bloggen lohnte. Doch. Es hat Spaß gemacht. Aber für den einen Satz lohnt sich ein Post nicht. Dann wollte ich darüber bloggen, wie ich nie wieder Sport haben werde. Aber auch das lässt sich kurz und knapp zusammenfassen: Ich werde nie wieder Sport haben.
Um trotzdem was aus dem Ärmel zu zaubern, möchte ich euch stattdessen einfach mal mein Buch vorstellen. Das gehört schließlich auch noch irgendwie zu Autismus, Spezialinteresse und so, kennt der ein oder andere bestimmt. Die Hautakteure meines aktuellen Projekts „Angelus Mortis“ (1410 Seiten im Moment) sind Engel und Dämonen – die Dämonen kriegen heute den Vortritt und stellen sich als erstes vor.

Zu der Szene hier braucht man nicht viel Hintergrundwissen. Luzifer ist gerade in die Hölle gestürzt und hat sich in den Kopf gesetzt, alle Dämonen nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Die sind davon eher wenig begeistert und wollen jetzt drüber diskutieren, wie es weitergehen soll. Erzählt wird das aus der Perspektive des Namenlosen, der rechtmäßiger Herrscher über die Hölle ist und es stellt ganz gut das Wesen der Dämonen vor. Die Szene ist recht lang, etwa 1,800 Wörter und wäre ursprünglich noch länger, aber das Ende habe ich weggelassen.
Viel Spaß beim Lesen! 🙂
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Wenn man sich das Pandämonium anschaute, kam man von allein wohl kaum auf die Idee, dass es sich bei diesen Dämonen um eine der mächtigsten Instanzen der Hölle handelte. Es begann schon damit, dass die einzig vernünftige Person auch die einzige war, die zur vereinbarten Zeit anwesend war. Und auf die Frage hin, wo sich die anderen inklusive ihr Bruder herumtrieben, zuckte Astarte nur mit den Schultern. Dafür sah sie danach aus, als würde Astaroth jede Minute Verspätung bitter bereuen.
Auch Mammon bekam diesen Blick zu spüren, als er wenig später ohne anzuklopfen hereinplatzte, dafür aber mit einer hastig gemurmelten Bitte um Verzeihung. Was vermutlich das erste und letzte Mal war, dass er das heute zu hören bekam.
„Weißt du, wo die anderen abgeblieben sind?“, fragte er, hatte aber wenig Hoffnung auf eine vernünftige Antwort.
„Nein, aber ich kann Euch sagen, dass es ein bisschen dauert, bis der letzte hier ist.“
„Ihr solltet Belphegor einfach sagen, dass er früher kommen soll.“
„Das machen wir ja schon, deswegen ist er eigentlich ganz pünktlich.“ Pünktlich im Verhältnis zu was? Er bekam langsam ein Problem mit diesem Ausdruck. „Am längsten müssen wir eigentlich auf Asmodeus warten.“
Er musste unwillkürlich seufzen und konnte sich viel zu gut ausmalen, weswegen.
Mammon erriet seine Gedanken. „Ganz genau deswegen“, sagte er leise.
„Geht das immer so?“, fragte er Astarte. Sie nickte. Das machte wenig Hoffnung.
Irgendwann ging die Tür wieder auf, tatsächlich kam Belphegor herein, träge, und in einem Zustand als hätte er zu wenig oder – in seinem Fall – zu viel geschlafen. Er sagte kein Wort, lehnte sich nur gegen die nächstgelegene Wand und schloss die Augen wieder.
Am besten, er fragte, bevor er einschlief. Belphegor zu wecken war eine Angelegenheit, vor der so gut wie jeder Dämon gehörigen Respekt hatte. „Wo sind die anderen?“
Er schaute kurz auf, zuckte mit den Schultern und bewegte sich danach gar nicht mehr, weswegen man ihn gut und gern für einen Teil der Einrichtung halten könnte.
Eine ganze, lange Weile passierte wieder nichts. Mammon und Astarte schauten sich gegenseitig an, wenn sie nicht schweigen und sich nicht bewegen würden, käme man auf die Idee, sie würden sich unterhalten. Vermutlich taten sie das auch, nur auf einer ganz anderen Ebene.
Langsam wurde ihm klar, weswegen das Pandämonium so selten einberufen wurde. Und warum es dann noch Tage dauerte, bis sie eine Entscheidung getroffen hatten – anscheinend brauchte es schon Stunden, bis alle Beteiligten mehr oder weniger anwesend waren.
Hoffentlich reichte seine Geduld bis dahin. Er hielt sich selbst zwar für recht gelassen, aber wenn das so weiterging, waren seine Nerven am Ende, ehe Asmodeus auch nur auf die Idee kam, sich in diese Richtung zu bewegen.
Irgendwann schaute Astarte auf und ihr Blick veränderte sich. Dann seufzte sie – und zeitgleich erschien Astaroth neben ihr, den sie daraufhin mit einem Blick bedachte, der ihn ein paar Schritte zurückgehen ließ.
„Entschuldige, aber ich hatte wirklich noch zu tun…“
Anscheinend hatte er die Ausrede nicht zum ersten Mal gebraucht. Er hob abwehrend beide Hände und schien zu hoffen, dass das seine Schwester besänftigte. Das tat es auch, allerdings erst nach einem Moment.
Er seufzte und stellte die Frage dann zum vierten Mal. So langsam war er es leid. „Wo sind die anderen?“
Astaroth schaute sich daraufhin erst einmal um, schien dabei aber die Hälfte der Anwesenden mehr oder weniger absichtlich zu übersehen. „Keine Ahnung… wer ist denn schon da?“
„Kannst ja dreimal raten“, sagte Mammon daraufhin. Er erschien hinter ihm und tippte ihm auf die Schulter. „Und vergiss Belphegor nicht.“
Astaroth fuhr herum und schlug nach ihm. „Der ist hier?“
„Lehnt dahinten an der Wand. Hebt sich auch noch davon ab, wenn er nicht schon verstaubt ist.“
Astaroth sah aus, als ginge ihm ein Licht auf. „Ach so, da. Stimmt, so was würde sich niemand freiwillig irgendwo hinstellen.“
Belphegor reagierte nicht. Es war gut möglich, dass er eingeschlafen war – oder er war einfach zu faul, irgendetwas darauf zu erwidern. Das Wortgefecht würde er so oder so verlieren, Schlagfertigkeit war schließlich nicht seine Stärke.
„Das nächste Mal erwarte ich wenigstens von dir, dass du pünktlich bist. Astaroth.“
Der schien erst jetzt zu bemerken, dass er auch noch da war. Er bedachte ihn mit einem feindseligen Blick, bevor er antwortete. „Ich hatte zu tun.“
„Findet Astarte das auch?“
„Ich habe Luzifer davon abgehalten, hier auch noch aufzuschlagen, wenn du es genau wissen willst. Kannst ihn selbst fragen, der hockt nämlich vor der Tür und ist ziemlich beleidigt.“
Mammon hob eine Augenbraue. Er sah aus, als stünde ihm der Mund vor Überraschung offen. „Das traut der sich?“
„Der ist frech genug zu lauschen und hier reinzurennen, wenn ihm was nicht passt, pass auf.“
Mammon schüttelte den Kopf. „Nie im Leben.“
„Wollen wir wetten?“
Mittlerweile hielt er es für eine seiner schlechteren Ideen, diese Dämonen über das Schicksal der Hölle entscheiden zu lassen. Er zweifelte daran, dass etwas vernünftiges dabei herauskam.
Die Tür flog wieder auf, dieses Mal kamen zwei Dämonen herein. Die Stimmung im Raum änderte sich mit ihnen, sie bekamen vermutlich alle ein seltsames Gefühl, das Angst sein sollte, aber nicht war. Auf ihren Stirnen war ein schwach leuchtendes Zeichen zu sehen, welches ihre beiden Kräfte zumindest so weit unterdrückte, dass sie nur noch bedingt töten konnten. Ohne war es kaum verantwortlich, Beelzebub und Leviathan aus ihrem Gefängnis zu lassen.
Der einzige, der bei ihrem Erscheinen ruhig blieb, war Astaroth, was ihn aber sichtlich Mühe kostete. Er nickte ihnen zu, ein Wort zu sagen, brachte er wohl auch nicht übers Herz.
Was allerdings wirklich interessant an ihrem Erscheinen war, war ein lauthals fluchender und sich nach Kräften wehrender Luzifer, den sie hinter sich herschleiften. Und der gerade einsehen musste, dass er sich mit den falschen angelegt hatte und sich glücklich schätzen sollte, lebendig und bei Bewusstsein zu sein.
Astaroth schaute ihn daraufhin an. „Ich hab recht gehabt“, sagte er nur. „Er stand draußen.“
„Jetzt nicht mehr“, erwiderte er nur und überlegte, wie er den Engel wieder loswerden konnte – möglichst auf eine Art und Weise, mit der alle hier zurechtkamen.
„Was machen wir jetzt mit ihm?“, fragte Mammon, nachdem er sich die Szene einen Moment lang angesehen hatte. „Wieder rausschmeißen?“
„Aber nicht jetzt.“ Belphegor war wieder aufgewacht und verfolgte das Ganze mit wachsender Begeisterung. „Ich will noch zusehen.“
„Das Gebrüll geht mir aber auf die Nerven.“
„Na ja“, sagte Astaroth. „Ich glaube, das geht aber auch noch weiter, wenn wir ihn vor die Tür setzen.“
„Können wir ihn nicht einfach umbringen und gut ist?“
„Nein.“ Am Ende eskalierte die Situation noch und das war in Kombination mit Luzifer ganz und gar nicht gut. „Wir bringen ihn erst raus und entscheiden dann, was mit ihm passiert.“ Auch wenn er zugegebenermaßen selbst noch ein bisschen zusehen würde, wie Luzifer sich vergebens wehrte. Der Anblick war zu schön.
„Später?“, fragte Belphegor hoffnungsvoll.
„Nein, er kommt jetzt raus. Leviathan, würdest du bitte? Von mir aus kannst du ihm wehtun, aber lass ihn im Großen und Ganzen heil.“
Sein Blick war daraufhin rätselhaft und nicht zu deuten, ganz wie immer. „Ja“, sagte er dann, mit so ruhiger Stimme, dass es Angst machte, bevor er Luzifer mit beiden Händen packte, sich umdrehte und ihn hinter sich herschleifte. Es war unglaublich schwer, sich weniger für ihn zu interessieren, als Leviathan es gerade vormachte.
Als er wiederkam, war es merklich stiller geworden, aber Luzifers Geschrei hallte immer noch in seinen Ohren wider. Vermutlich würde das auch noch etwas länger so bleiben, aber immerhin hatten sie jetzt Ruhe.
„Wer fehlt jetzt noch?“, fragte er nach einer Weile, als sie alle so aussahen, als hätten sie sich nicht nur zufällig versammelt.
„Asmodeus“, war die einstimmige Antwort. „Wenn wir Glück haben, kommt er heute noch vorbei“, fügte Mammon hinzu und seufzte. „Falls wir Glück haben sollten, heißt das.“
„Ich habe keine Lust, länger auf ihn zu warten, ich habe durchaus besseres zu tun als das. Es ist mir egal wie, aber ihr holt ihn jetzt her und zwar auf der…“
In nächsten Moment aber erledigte sich das Problem von selbst. Asmodeus kam herein und gab sich jede Mühe, sich selbst in Szene zu setzen. Sein Haar wurde von Mal zu Mal kürzer, mittlerweile reichten sie ihm nur noch bis knapp übers Kinn. Seine Kleidung war rot, teilweise sogar fast durchsichtig, und eng anliegend, auf Handschuhe hatte er ganz verzichtet. Anzüglicher ging es kaum – aber das dachten sie alle eigentlich jedes Mal.
Asmodeus war nicht allein gekommen, er hatte eine Dämonin im Schlepptau. Und dem allgemeinen Seufzen nach zu urteilen, gehörte sie nicht wirklich hierher.
Astaroth verdrehte die Augen, dann kümmerte er sich von allein um die Sache. „Ich hab dir hundertmal gesagt, dass du deine Huren zu Hause lassen sollst!“
Asmodeus seufzte, schob sich seine Haare hinter die spitz zulaufenden Ohren und grinste dann süffisant. Dazu brauchte man sein Gesicht nicht zu sehen. Er ließ sich sehr viel Zeit mit der Antwort. „Sie ist eben sehr ehrgeizig und will was lernen. Über Politik.“
In dem Fall war sie hier definitiv falsch.
Diese Leute herzuholen war die schlechteste und dümmste Idee meines Leben, dachte er. Und den schlimmsten Teil habe ich noch vor mir…
„Von dir lernt sie höchstens, wie man sich richtig hochschläft. Und jetzt schaff sie hier raus, wir wollen anfangen.“
Daraufhin konnten sie zusehen, wie sein Grinsen noch breiter wurde. „Glaub mir, in dem Punkt kann ich ihr wirklich nichts mehr beibringen.“
Beelzebub wandte den Kopf, gleichzeitig wurde es totenstill im Raum. Er schaute Asmodeus eine Weile lang an, der unter seinem Blick förmlich zusammenschrumpfte. Er sagte nur ein einziges Wort.
„Raus.“
Seine Stimme war nur ein Flüstern, aber sie hallte im gesamten Raum wider. Und es war bei Weitem ausreichend, um Asmodeus zum Gehorsam zu zwingen.
Der schaute seine Begleitung nur an und zuckte mit den Schultern. „Ich glaube, du hast Pech gehabt, Belial“, sagte er, mit gespieltem Mitleid in der Stimme. „Aber Haustiere müssen draußen bleiben.“ Mit diesen Worten schob er sie mit sanfter Gewalt hinaus, schloss die Tür. Und dann tat er so, als wäre rein gar nichts geschehen.
Doch, er war sich sicher. Es war ein Fehler gewesen, sie alle herzuholen und es war ein Fehler gewesen, ihnen allen überhaupt so viel Macht und Einfluss zu geben. Vor allem aber grenzte es an ein Wunder, dass Astaroth es tatsächlich geschafft hatte, sie alle mehr oder weniger an einem Strang ziehen zu lassen.
Er seufzte.
Bringen wir es hinter uns.
„Ich will, dass es hier weder Tote, noch Verletzte, dafür aber ein Ergebnis vor morgen früh gibt.“ Sie auch noch zu bitten, höflich und objektiv zu sein, versuchte er erst gar nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich irgendjemand daran hielt, ging ins Negative. „Verstanden?“
Sie nickten. Jeder einzelne von ihnen, selbst Astaroth, wenn auch widerwillig. Immerhin.
„Dann beginnen wir.“

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4 Antworten zu Dämonen

  1. Ismael Kluever schreibt:

    Über einen Tag im Freibad hätte ich sogar ein paar Bemerkungen mehr hinbekommen. 😉
    Vielleicht so was: „Es war schrecklich! Zu viele Menschen. Zu viel Gekreische. Zu wenig Schatten. So schnell nicht wieder!“ 😀
    Da hätte ich über die Hölle gar keinen Roman mehr gebraucht, so gebraten wie ich da wäre. 😀

  2. Ismael Kluever schreibt:

    Höchst originell übrigens, deine Geschichte in der Hölle spielen zu lassen. Wie bist du auf die Idee gekommen?
    Bei meiner Schmalspurphantasie hätte ich eine Szene wie die Obige wahrscheinlich in einer hundsgewöhnlichen bundesdeutschen Behörde angesiedelt. Aber dann wäre die Angelegenheit bei gleichem Inhalt wohl kaum von einer Kantinenplauderei zu unterscheiden gewesen. Oder haben Bürogebäude, was die Charaktäre ihrer Insassen betrifft, etwa irgendwelche Ähnlichkeiten mit der Unterwelt?! 😉

    • dassiliel schreibt:

      Ich weiß nicht, wie ich drauf gekommen bin, es hat alles mit einem gewissen Luzifer angefangen… Ich kann sowieso schlecht sagen, wie ich auf manches gekommen bin, vieles ist einfach auf einmal da und gut ist. Ein Großteil der Geschichte spielt übrigens eigentlich im Himmel, da such ich auch noch eine Szene zu raus. Sind nur leider ein paar viele mittlerweile. 😛

      Eventuell unterscheiden sich Engel und Dämonen auch nur von Menschen, weil sie das „ich bring dich um“ auch mal wörtlich meinen… Die haben einfach ne andere Beziehung dazu.

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