It’s magic!

Ich stehe im Kaufland vor dem Regal. Schinken. Kochschinken. Den brauch ich, um mir eins der wenigen Gerichte zu kochen, die ich kochen kann, ohne die Küche versehentlich in die Luft zu jagen. Toast mit Schinken und Schmelzkäse nämlich.

Eigentlich mag niemand Kaufland so wirklich, aber der Laden – Verzeihung, das Lebensmittelkaufhaus mit Drogerie und Zeug, das niemand braucht, verteilt auf zwei Etagen mit nervigen Durchsagen alle zwei Minuten – ist trotzdem ganz gut besucht. Wahrscheinlich will einfach niemand herkommen, muss aber. So wie ich. Manche Sachen gibt es bei Aldi einfach nicht und das ist tendenziell doof.

Wie auch immer, ich suche Kochschinken. Kaufland bietet mir Kochschinken, in ein, zwei, drei, fünfzig Varianten in den Preisstufen 1,45 € bis 2,19 € in allen Größen und Formen, zum Glück aber nicht in Farben. Also stehe ich da vor dem Regal, schaue einmal, schaue zweimal, schaue dreimal, fange an Preise zu vergleichen und schreite schließlich zum Herkunftsland, würde auch noch nachschauen, ob das glückliche Tieren waren, die jetzt im Kühlregal darauf warten, aufs Toast geklatscht zu werden, aber mein Smartphone ist zu Hause.

Ich seufze, dann ziehe ich die Notbremse und frage einfach die Leute, die Ahnung haben. Meine Eltern nämlich. Die können im Gegensatz zu mir nämlich einkaufen. „Papa, hilf mir mal. Ich find keinen Kochschinken.“
„Jo.“

Papa geht zielstrebig auf das Regal zu, das anderthalb mal so hoch und dreimal so breit wie er ist, bückt sich und hält mir eine Packung unter die Nase. Mir steht der Mund offen, bis ich es merke. So geht das dann den ganzen Einkauf lang weiter. Hier Sachen aus den Regalen nehmen, unter über zwanzig Produkten finden die Beiden exakt das Richtige. Und ich stehe daneben und bin gedanklich immer noch dabei, diese ganzen Sorten Schinken zu vergleichen.

Jetzt mal ehrlich Leute, wie macht man das? Woher wisst ihr, was ihr wollt, ohne euch vorher gefühlte fünf Stunden Gedanken zu machen. Wenn ihr Äpfel kaufen geht, woher wisst ihr dann, welchen Apfel ihr nehmen müsst?Das hat für mich schon ein bisschen was von übernatürlichen Kräften. It’s a kind of magic sozusagen. Als würde euch irgendwas Magisches im Hirn sitzen, das euch sagt, was ihr gerne haben möchtet.

Entweder das, oder ich hab mich einfach so von den Zwängen und Erwartungen der Gesellschaft gelöst, dass ich überhaupt keine Gelüste mehr verspüre und deswegen auch gar nicht weiß, was ich will. Oder ich bin wirklich ein Alien und auf meinem Heimatplaneten lief das mit dem Einkaufen irgendwie anders und deswegen kann ich das hier auf der Erde nicht. Könnt euch ja aussuchen, was am plausibelsten ist 😀

Wie auch immer, ich mach hier jetzt Schluss. Sonst wir mein Toast kalt und dann klebt der Käse so doof.

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4 Antworten zu It’s magic!

  1. Ismael Kluever schreibt:

    „Jetzt mal ehrlich Leute, wie macht man das? Woher wisst ihr, was ihr wollt, ohne euch vorher gefühlte fünf Stunden Gedanken zu machen. Wenn ihr Äpfel kaufen geht, woher wisst ihr dann, welchen Apfel ihr nehmen müsst?“
    Ehrliche Frage?
    Also, bei den Äpfeln wars kompliziert. Die kauf ich auf dem Markt, am Stand, wo es die meisten verschieden heimischen Apfelsorten gibt. Da hab ich mich durchprobiert und für Pinova entschieden. Seit Jahren immer die gleiche Sorte. Die Marktfrau würde den Notarzt rufen, wenn ich eine andere verlangen würde. Das wäre mir aber zu viel Aufruhr, also lass ich es bei Pinova.

    Bei Eiern hab ich es einfacher. Klare Sache: Die kaufe ich immer bei der Eierfrau, mit der man so gut übers Wetter reden kann. Ich meine *richtig* übers Wetter reden, nicht nur so smalltalkmäßig.
    Bei Honig nehme ich immer Buchweizenhonig. Kriterium: Der riecht wie das Affenhaus in Carl Hagenbecks Tierpark. Also kann ich ihn alleine essen.
    Unter 20 Essigsorten ist eindeutig diejenige die Beste, bei der sich die Flasche wegen des pittoresken Aussehens gut dafür eignet, nachher eine stylishe Flaschenpost draus zu basteln.
    Käse?
    …ähh…
    …ich kann nicht mal die Namen richtig Aussprechen!
    Wurstwaren und Aufschnitt?
    Auch ähh… der Laden führt 300 Sorten, woher soll ich wissen, wie die heißen?!
    Da nehme ich die da!
    Nein, die rechts daneben meine ich!
    Nee, von mir aus rechts, von ihnen aus links!
    Nein, der kleine Stapel dahinter. Also von ihnen aus gesehen davor!

    Alles klar? 😉 😀

  2. akel schreibt:

    … und am allergarstigsten ist es, wenn diese Supermarktmenschen die Waren umstellen. Man möchte weinen, sich ans nächste Regal klammern und „Warum tut ihr das immer wieder?“ schreien. Apokalypse, ach, mehr von dir! Stattdessen versteckt man sich im toten Winkel, versucht dabei (zunehmend verzweifelt), Durchsagen und Hintergrundmusik zu ignorieren. Und wartet, bis man vom besten Mann von allen gefunden wird. Ich wäre wahrscheinlich sonst einer der Menschen, die in einem mit Nahrungsmitteln vollgestopften Supermarkt aus Entscheidungsüberforderung verhungern müssten…

  3. meinebuntenwelten schreibt:

    Wie mache ich das? Nun – immer nur das selbe kaufen – immer die gleiche Marke! Blöd nur, wenn die nicht mehr hergestellt wird. Dann fange ICH an zu fluchen. Äpfel: die Elster – Äpfel .. keine Ahnung warum die so heissen, vielleicht schreibe ich es auch nur wieder falsch! Aber die habe ich früher mal irgendwo gegessen und fand sie lecker und seitdem eben nur die! Ansonsten kaufe ich irgendwie so von „ganz unten“ weil preisgünstiger … Sicherlich kommen daher meine Rückenschmerzen .. 😉

  4. MianArkin schreibt:

    Immer die gleiche Marke, die beste möglichkeit nichts falsches zu holen, und bei sonstigen Einkäufen immer das Günstigste (warum stehen bei manchen Produkten Angaben in 100 Gramm aber ein Regal weiter in 1000 Gramm, obwohl die Verglichenen Produkte gleich Schwer sind?).
    Ich rechne einfach alles auf den Kilopreis hoch und nehme mir das Billigste.
    BIO-Produkte kosten mehr Geld, Geschmacklich kaum ein Unterschied (vorallem wenn man es unter einem Berg Ketchup oder Scharfem Senf Ertränkt).

    Ich finde es aber Interessant das du dich in Einkaufsläden Verlaufen kannst.
    Häufig laufe ich Tagträumend durch die Gegend, dann ist der Kopf voll mit Simulierten Welten, nur braucht es dann noch etwas Aufmerksamkeit nicht einfach über eine Befahrene Straße zu Spazieren oder Fahrradklingeln und Sirenen zu Überhören.
    Um Zurückzufinden merke ich mir ansich nur Markante Punkte (Hochhäuser, Kirchen, Seltsam aussehende Häuser, Grünzeugansammlungen, Himmelsrichtung [Ohne Kompass kann das aber etwas Kniffeliger werden wenn man keinen Stadtplan im Kopf hat]. In Läden: Stockwerke, Gänge).

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