Da ist was im Busch

Es begann heute, ähm, morgen irgendwann um acht. Oder neun. Oder zehn. Jedenfalls war ich noch nicht ganz zurechnungsfähig und erst recht nicht ansprechbar, als es an der Tür klingelte. Ich bin nicht aufgestanden, erstens nicht aus Prinzip und zweitens tatsächlich aus Menschenliebe. Wer mich mehr oder weniger bewusst aus dem Bett schmeißen möchte, ohne einen Grund, den ich im Halbschlaf nachvollziehen kann, den könnte ich unter Umständen ermorden. Auf der Klassenfahrt vor zwei Jahren habe ich meiner Lehrerin die Tür vor der Nase zugeknallt, weil mir die Ladung geballte Fröhlichkeit um die Uhrzeit auf die Nerven ging. Zum Glück nahm sie es mir nicht übel und ich verstehe mich bis heute sehr gut mit ihr.

Wie auch immer, danach klingelte es anscheinend bei unseren, ähm, Nachbarn, die unter uns wohnen. Sollte ich die nochmal erwähnen, nenne ich sie vermutlich Neurotiker oder so. Aber dazu ein andernmal. Das ganze bestätigte mich in meiner Annahme, dass das nur der Postbote gewesen sei und ich mir deswegen keine Sorgen machen müsse, Eventuell einem Schwerverletzten die Hilfe verweigert zu haben. Ein bisschen Gedanken machte ich mir aber doch – der Postbote legt unsere Pakete normalerweise in den Schuppen. Und klingelt zweimal. Andererseits – es soll ja Menschen geben, die ohne Rituale auskommen.

Eins machte mich dann nach meiner Morgenroutine – die durch das Ereignis zum Glück nur am Rande gestört wurde (Ich musste nochmal von vorne anfangen, meine Twittertimeline und die Nachrichten zu lesen). Ich hörte was, was ich nicht ganz einordnen konnte. Aber da ich die Geräusche in meiner Umgebung normalerweise zweifelsfrei identifizieren kann – immerhin wohne ich hier und das nicht seit gestern -, war eines klar: Das gehört so hier nicht hin. Und das, meine Freunde, ist. Nicht. Gut!

Irgendwann ging mir dann langsam auf, was für diese Geräsuche verantwortlich sein könnte. Bauarbeiter nämlich (Oder so). Papa hatte das mal erwähnt, die Jungs sind von den Stadtwerken, müssen was an den Leitungen gucken und hatten mir schon in den vergangenen Wochen reichlich Kopfschmerzen bereitet. Nichts gegen diese Menschen, ich kenne sie ja gar nicht, aber sie stehen mir im Weg. Und in den meisten Fällen kann man sich dann nichtmal vernünftig unauffällig dran vorbeistehlen. Und dann noch heute! Wo Mama lämger arbeiten muss, ich zwangsläufig mit dem Hund nach draußen muss und sowieso auf mich allein gestellt bin.

Die einzig rationale Lösung für mich bestand daraufhin aus drei Teilen: Erstens mitten beim Anziehen an alle möglichen Fenster rennen und schauen, wo sich die „Übeltäter“ befinden. Ja, ich stand nur in Unterwäsche blöd starrend am Fenster und habe vermutlich panisch ausgesehen. Hoffentlich hat DAS keiner gesehen… Wie man jetzt nun aus der Überschrift entnehmen kann, arbeitete man nicht mitten vor der Haustür, sondern irgendwo im hinteren Garten, zwischen Büschen und buddelte da Löcher. Als zweites war dann trotzdem Panik angesagt. Nicht im Sinne vom schreiend-im-Kreis-rennen, sondern eher damit, dass ich mich bestimmt eine geschlagene Stunde bekloppt gemacht und gehofft habe, dass mir jetzt irgendwer den Hund abnimmt, damit ich nicht an diesen Leuten vorbeimuss.

Ich glaube, ich sollte mich mal auf Sozialphobie untersuchen lassen.

Drittens jedenfalls habe ich mich erfolgreich davon abgehalten, der Welt, also dem Internet und Mama mein Leid zu klagen und um Hilfe zu betteln. „Mama, da sind Leute im Busch, HILFE!“ Ich habe das ernsthaft in Erwägung gezogen.

Die Sache nahm dann aber doch ein gutes Ende. Nach vielleicht einer Stunde waren die Kerle mit Buddeln fertig und zogen wieder von dannen. Und ich konnte ganz beruhigt und entspannt mit dem Hund gehen (Um zwanzig vor eins und nicht um halb *heul*) – zumindest in der Theorie, in der Praxis hat es mich so nassgeregnet, dass ich meine Haare zum zweiten Mal in zwanzig Minuten föhnen durfte.

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2 Antworten zu Da ist was im Busch

  1. Ismael Kluever schreibt:

    Du schreibst mit so viel Esprit und Humor, – es ist einfach köstlich, das zu lesen!

  2. melli schreibt:

    Einfach köstlich, Deine Art mit Spache umzugehen. Herrlich, danke, das war wie Schokolade fürs Hirn!

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